Unternehmen im Porträt

Brandschutztechnik Görlitz GmbH

Schwarze Zahlen mit roten Autos

2013 übernahm Andreas Neu die Brandschutztechnik Görlitz. Seitdem ist das Unternehmen weiter gewachsen.

 

Görlitz. Rückblicke sind für Andreas Neu wichtig. Nicht nur, weil seine Brandschutztechnik Görlitz eine Erfolgsgeschichte erzählen kann. Sondern weil sich der Betrieb als einer der wenigen verbliebenen lokal eigenständigen Produzenten der Tradition verpflichtet fühlt. „Hier wurde die Geschichte des Feuerwehrfahrzeugbaus in Deutschland entscheidend mitgeschrieben“, betont Geschäftsführer Neu.

 

Besucher verweist er gern auf sein von Henry Ford stammendes Lieblingszitat: „Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ Andreas Neu hat weder kapituliert, noch ist er gescheitert. Nur ganz kurz war er arbeitslos, als die Treuhand den einstigen VEB Feuerlöschgerätewerk Görlitz liquidierte. 1992 wurde er Anteilseigner und Betriebsleiter, auch als 1996 Iveco in die neue Brandschutztechnik Görlitz (BTG) einstieg. Als der italienische Nutzfahrzeughersteller 2012 seinen Rückzug verkündete, entschied sich Andreas Neu zur Übernahme in eigener Regie. „Ich wollte die Görlitzer Tradition nicht kaputtgehen lassen“, sagt der 60-Jährige, der bereits in Friedrich, einem seiner beiden Söhne, seinen kompetenten Nachfolger sieht. Erste Anteile als Mitgesellschafter hat ihm der Vater im vorigen Jahr bereits übertragen. Das Unternehmen ist dabei gut aufgestellt. In den fünf Jahren unter Neus Eigenregie kletterte die Belegschaftszahl von 55 auf 65, weitere fünf Kollegen sollen in den nächsten Wochen eingestellt werden. Die Auftragsbücher für 2018 sind gefüllt, teilweise schon für 2019. Über 200 Fahrzeugaufbauten verlassen jährlich die Firma an der Dr.-Kahlbaum-Allee. Erst vor wenigen Monaten öffnete die BTG eine Außenstelle in Reichenbach. Dort übernehmen drei Mitarbeiter den Aufbau von Kleinfahrzeugen. Andreas Neu will bis Jahresende dort acht Kollegen beschäftigen. Ausgelastet ist die Außenstelle bereits: Ein Auftrag über 140 Fahrzeuge für Hessen soll allein in Reichenbach abgearbeitet werden.

 

Nach 2013 mussten die BTG-Mitarbeiter zunächst neue Technologien entwickeln, denn Iveco-Arbeitsabläufe waren patentrechtlich geschützt. Doch alle Kollegen zogen mit. Andreas Neu freut sich über so ein gutes Betriebsklima, macht keine Abstriche an Löhnen – und hat so keinen Mangel an Facharbeitern. „Wir sind bei Bewerbungen gefragt, haben zugleich aber in der Belegschaft kaum Fluktuation“, sagt er. Für die vielen komplizierten Arbeitsabläufe sei das von hohem Wert. Dazu komme eine mustergültige Zusammenarbeit mit der Commerzbank: Bei allen Aufträgen muss ja die Firma erst einmal in Vorkasse gehen, bezahlt werden die Rechnungen erst nach Übergabe der fertigen Fahrzeuge. Da geht es vorab um Millionen für Material und Arbeitslohn. „Mit der Bank gab es nie Probleme“, lobt Neu, der sich selbst als „realistischen Optimisten“ bezeichnet: „Volle Auftragsbücher sind schön, aber zwischen Auftrag und Ausführung können noch Lichtjahre liegen.“ Er spürt das zum Beispiel beim längst noch nicht beendeten Aufbau eines eigenen Vertriebs- und Service-Netzes. „Ich habe noch nicht die gesamte Bundesrepublik unter Dach und Fach“, sagt der Chef, der „aber die deutschen Kommunen als wichtigsten Markt“ kennzeichnet. So wichtig vor fünf Jahren noch viele Aufträge aus Russland, Litauen, Jordanien, sogar Brasilien waren, so schnell hat er diesen Export zunächst wieder verringert. „Erst einmal muss unsere Kraft dem eigenen Land gelten“, begründet er. Jetzt aber sei es soweit, könne wieder das Ausland anvisiert werden. „Wir haben 2017 mit Südtirol begonnen und für 2018 einen größeren Vertrag mit Polen abgeschlossen. Wir fahren jetzt auch wieder auf Messen, aktuell zum Beispiel zu einer Fachschau in Bozen.“ Für Andreas Neu ist das wichtig: „Man kommt ja heute kaum noch bei Absprachen an einen Tisch, alles geht elektronisch, unpersönlich, ist weit weg und damit durchaus auch ein Grund für Missverständnisse.“

 

Volle Auftragsbücher lassen beim Geschäftsführer aber Sorgenfalten auch aus einem anderen Grund nicht kleiner werden: So ein Feuerwehraufbau benötigt viele Teile, und im Umkreis von Görlitz fehlen Zulieferer. Noch immer ist es so, dass die Brandschutztechnik Görlitz jede Menge Material aus Richtung Dresden heranfahren muss, was logistisch wenig Sinn habe. „Aber daran wird sich wohl nichts ändern, im Gegenteil – auf der überforderten Autobahn dauert es eher länger als bisher“, bedauert der Geschäftsführer. Auch da ist er Realist, fügt aber als optimistischen Teil auch noch diesen Spruch an: „Alles, was geht, das geht immer auch weiter.“

 

Mit freundlicher Unterstützung der Sächsischen Zeitung, Redakteur: Ralph Schermann, Foto: Nikolai Schmidt.


Steckbrief

Branche

Fahrzeugbau:

Aus- und Aufbau von Lösch-, Logistik- und Sonderfahrzeugen


 

In Görlitz seit

seit 1864


Anzahl der Mitarbeiter

50 bis 100


Standort

Brandschutztechnik Görlitz GmbH
Dr.-Kahlbaum-Allee 15
02826 Görlitz



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