Bürgerbefragung: Görlitzer Kultur 2030

Interkulturelle Begegnung

Leitlinie:

Interkulturelle Begegnungen sind eine wichtige Voraussetzung für Selbstreflexion und kulturelle Selbstbestimmung. Kulturelle Angebote und Betätigungen ermöglichen eine niederschwellige und spielerische Teilhabe und schaffen Offenheit für konstruktives und bereicherndes Miteinander.

 

Ausgangssituation:

Interkulturelle Begegnungen sind in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec Alltag. Neben der mehr oder weniger intensiv gelebten und gesuchten Begegnung der deutschen Bevölkerung mit Menschen mit Migrationshintergrund, ist das Mit- und Nebeneinander der Bevölkerungen zweier Nationen ein Spezifikum der Grenzstadt.

Zunehmend haben sich in den zurückliegenden Jahren bürgerschaftlich organisierte offene und integrative kulturelle Begegnungen und Angebote entwickelt, die sich teilweise auch engagiert als zivilgesellschaftlicher Gegenentwurf zu fremdenfeindlich wahrgenommenen Tendenzen verstehen. Auch für die institutionell und durch öffentliche Förderung getragene Kulturarbeit hat das Thema Interkulturalität und Integration als Spiegel des gesamtgesellschaftlichen Diskurses über die Möglichkeiten und Grenzen der Aufnahme von Menschen aus anderen Kulturkreisen stärker in den Vordergrund getreten.

Im Lebensalltag dominiert gleichwohl die deutsch-polnische Begegnung das kulturelle Leben der Stadt. Trotz der relativen Nähe reicht die deutsch-tschechische Begegnung bei weitem nicht an diese Dimension heran. Wirklicher „Schmelztiegel“ der trinationalen Begegnung ist der Berzdorfer See, was bei zukünftigen Kulturangeboten zur berücksichtigen ist. Die GKSG hat dem Rechnung tragend im Auftrag des Planungsverbandes Berzdorfer See die Veranstaltungsidee „Threestyle“ entwickelt, welche bisher aufgrund des Fehlens personeller und finanzieller Ressourcen nicht weiterverfolgt werden konnte.

Deutsch-polnische Begegnungen sind in der Europastadt hingegen zahlreich entwickelt. Bürgerschaftlich werden sie bereits seit Jahrzehnten von verschiedenen Vereinen, aber auch den Kirchen (bspw. „Zug der Könige“) organisiert, die eher selten und punktuell einer Unterstützung durch die Stadt bedürfen. Auf kommunaler Ebene sind die Zusammenarbeit der Musikschulen, die Kontakte der Museen und Stadtbibliotheken, die deutsch-polnische Kinderstadt und insbesondere die gemeinsamen bzw. in gegenseitiger Abstimmung organisierten Veranstaltungen des Dom Kultury und der GKSG zu nennen.

Das Altstadt- und Jakubyfest hat das Potential, stadtgesellschaftliche Entwicklungen niederschwellig zu thematisieren und in einen stadtgesellschaftlichen Diskurs zu bringen. Dem Literaturfest ist es im sensiblen Sprachbereich auf Anhieb gelungen, deutsch-polnische Veranstaltungsformate zu generieren, die auf gute Resonanz beiderseits der Neiße getroffen sind. Und der schlesische Christkindelmarkt wird seinem Namen mehr und mehr gerecht und präsent immer häufiger traditionelles Handwerk und Waren aus dem polnischen Schlesien.

Ein gemeinsames und ausbaufähiges Thema der Europastadt ist das Leben und Werk des Mystikers Jakob Böhme. In beiden Teilen der Europastadt gibt es regelmäßig bürgerschaftlich und institutionell getragene kulturelle Angebote in verschiedenen künstlerischen Sparten, in Philosophie und Theologie, welche sich – beidseitig besucht - mit Böhme und seiner Rezeptions- und Wirkungsgeschichte beschäftigen.

Mit der regelmäßigen Verleihung des Internationalen Brückepreises weisen die Städte ihr Interesse und Bemühung um ein gemeinsam gelebtes Europa aus, für welches die gemeinsamen kulturellen Wurzeln eine wesentliche Basis darstellen.

 

Zielvorstellung 2030:

Kulturelle Veranstaltungsangebote sind zu einem wesentlichen integrativen Moment interkultureller Begegnung in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec geworden. Das gelebte Miteinander der Stadtbevölkerungen beider Teilstädte hat sich als geeignete Plattform erwiesen, um ein breiteres Bewusstsein für die Chancen und Bereicherungen zu entwickeln, welche multikulturelle Erfahrungen für den Einzelnen und eine Stadtgesellschaft bereithalten.

Dem Altstadt- und Jakubyfest ist es gelungen, sich überregional und international als das größte deutsch-polnische Volksfest der Welt zu präsentieren. Hochrangige Künstler und Persönlichkeiten können regelmäßig gewonnen werden, um durch Präsenz und inhaltliche Beiträge ein Statement zu Europa zu geben (s. Punkt 5). Ähnlich wie beim Altstadt- und Jakubyfest hat sich auch auf der polnischen Seite der Stadt ein Weihnachtsmarkt etabliert, der allmählich über die Neißstraße mit dem Christkindelmarkt zusammenwächst.

Das Internationale Spielplatzfest der Europastadt ist zu einem überregionalen Event geworden, zu dem Familien aus Polen, Tschechien sowie angrenzenden Bundesländern anreisen. In verschiedenen, geeigneten Teilen des grenzüberschreitenden Stadtparks werden sogar kleine Zeltdörfer, Wagenburgen etc. eingerichtet, die für Übernachtungen gebucht werden können. Der Erfolg dieser von beiden Teilstädten getragenen Veranstaltung hat die Städte ermutigt, auch einen anderen Veranstaltungsgedanken wieder aufzugreifen und das traditionelle Festival des griechischen Liedes auch auf die deutsche Seite der Europastadt zu entwickeln. Dadurch gibt es regelmäßigen Anlass, der griechischen Siedlungsgeschichte der Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu gedenken.

Das Literaturfest an der Neiße hat sich nach seiner Pilotphase dauerhaft etabliert. Mit dem Freistaat Sachsen, der Woiwodschaft Niederschlesien sowie verschiedenen Verlagen konnte vereinbart werden, dass regelmäßig Erstübersetzungen in die deutsche und polnische Sprache gefördert werden, die im Rahmen des Literaturfestes ihre Publikumspremiere erleben.

Durch die Einrichtung des Kulturerbezentrums „Jakob Böhme“ haben auch die Veranstaltungsangebote zum Leben und Werk Böhmes zugenommen. Die Stadt Zgorzelec wirkt ständig bei der Vorbereitung und Durchführung der Internationalen Jakob Böhme-Tagungen mit.

 

Handlungsempfehlungen:

Die Stadt berücksichtigt die integrative Relevanz kultureller Veranstaltungen angemessen bei der Erarbeitung des Integrationskonzeptes.
 GKSG und das Dom Kultury werden nach entsprechender Absprache der Stadtverwaltung mit der Erarbeitung konzeptioneller Überlegungen für ein Internationales Spielplatzfest im grenzüberschreitenden Stadtpark beauftragt.
GKSG berät mit dem Dom Kultury die Möglichkeit eines Weihnachtsmarktpendants auf der polnischen Seite.
Die Stadtverwaltungen nehmen Gespräche mit den zuständigen Landes- und Woiwodschaftsebenen über die Möglichkeit einer Übersetzungsförderung zugunsten des Literaturfestes an der Neiße auf.
Die Stadtverwaltung berät mit der Stadt Zgorzelec deren zukünftige Mitwirkung im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung der Internationalen Jakob Böhme-Tagungen sowie der Entwicklung des Veranstaltungangebotes um Böhme im Zusammenwirken mit den bürgerschaftlich getragenen Formaten in diesem Themenkreis.

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