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Jugend- und Soziokultur

Jugend- und Soziokultur


Ausgangssituation:

Die Stadt Görlitz hat derzeit einen Anteil junger Menschen zwischen 11 und 30 Jahren von ca. 18,3 %. Im Gegensatz hierzu liegt der Anteil der über 60-jährigen bei ca. 33,3 % (Stand Dezember 2017). Die Region hat mit dem Wegzug von Jugendlichen zu kämpfen, da in der Vergangenheit weder attraktive Arbeitsplätze in ausreichender Zahl noch Möglichkeiten bzw. eine ausreichende Motivation für eine starke Identifikation mit ihrer Heimat vorzufinden waren. Auf Grund des demografischen Wandels kann aber zukünftig von einem Überangebot an Ausbildungsplätzen sowie einem erhöhten Bedarf an Fachkräften ausgegangen werden. Görlitz braucht jeden jungen Menschen.
Die Stadt Görlitz verfolgte in den Nachwendejahren im Hinblick auf die Jugendarbeit eine andere Strategie, als vergleichbare Städte im Umland, wo bereits früh offene Jugendangebote aufgebaut wurden, die sich nach und nach zu wichtigen soziokulturellen Zentren entwickelten (Bsp. Bautzen „Steinhaus“, Zittau „Hillersche Villa“). Die in den Jahren nach der Wiedervereinigung bis zur Landkreisreform in Görlitz vorherrschenden Vorstellungen gingen davon aus, dass neben den Angeboten der Jugendhilfe nach §§ 11-14 SGB VIII (Jugendarbeit, Förderung der Jugendverbände, Jugendsozialarbeit, Erzieherischer Kinder- und) im Wesentlichen ein ausreichendendes Angebot für Kinder und Jugendliche durch die Kultur- und Sporteinrichtungen der Stadt geleistet werden. Die Förderung freier Jugendarbeit im nicht pflichtigen Bereich nahm thematisch und finanziell nur einen geringen Raum in der Stadtpolitik ein.
Überregional spiegelt sich die beschriebene Spezifik der Stadt Görlitz in der Förderung des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien wider, welcher jährlich sechsstellige Fördersummen für soziokulturelle Zentren in Bautzen und Zittau, aber auch Hoyerswerda bereitstellt, mangels inhaltlichen Pendants jedoch bisher nicht für Görlitz.
Mittlerweile bietet die Stadt ein reiches Netzwerk an jugend- und soziokulturellen Projekten, welche sich durch Änderungen in der stadtpolitischen Agenda teilweise erst seit 2013 etablieren konnten. Frühere Entwicklungen im Bereich der Soziokultur finden sich in Görlitz am ehesten im Umfeld des Jugend- und Kulturzentrums Basta! und im Kühlhaus e.V. in Weinhübel. Diese Entwicklungen werden durch die Stadt registriert und unterstützt, jedoch agieren die genannten Angebote in festen Grenzen, sei es in der eigenen Ausrichtung auf spezielle Zielgruppen, der Platzkapazität oder der Lage innerhalb der Stadt. Echte Parallelangebote und -veranstaltungen, die unbedingt erforderlich sind, um verschiedenen thematischen, zielgruppen- und altersspezifischen Interessenlagen gleichzeitig gerecht werden zu können, sind auf Grund von beschränktem Platzangebot und anderen Einschränkungen aktuell in keiner der bestehenden Görlitzer Einrichtungen möglich. Ein organisiertes Raumangebot für kontinuierliche, aber auch wechselnde Aktivitäten, die von jugendlichen Gruppen selbst organisiert und nachgefragt werden, kann keine der bestehenden Einrichtungen bieten.
Daher fasste der Stadtrat am 31.01.2013 den Grundsatzbeschluss zum Bau eines Zentrums für Jugend- und Soziokultur. Basierend auf dem daraus entstandenen politischen Willen arbeitet die Stadtverwaltung eng mit Nutzergruppen zusammen, um die Kenntnisse über die Bedürfnisse junger Menschen als Grundlage für ihre Entscheidungen heranziehen zu können. In Zusammenarbeit mit Jugend- und Nutzerinitiativen, Netzwerkpartnern und Entscheidungsträgern soll es so gelingen, die Situation nachhaltig zu ändern und mit der Errichtung des Zentrums für Jugend- und Soziokultur neue Wege zu gehen.
Kern des durch die potentiellen Nutzergruppen artikulierten Bedarfs ist ein offenes Zentrum für vielfältige, auch parallel mögliche Veranstaltungsformen, die größtenteils durch die Nutzer selbst initiiert werden.

 

Zielvorstellung 2030:

Die Stadt Görlitz hat sich als regionales Zentrum für Macherinnen und Macher etabliert, die hier ein Betätigungs- und Experimentierfeld für Jugend- und Sozikulturelle Projekte vorfinden. Dabei werden sie aktiv durch Stadtverwaltung und Stadtpolitik unterstützt, denn es hat sich bestätigt, dass die Offenheit gegenüber solchen Aktivitäten zur positiven Identifizierung der Bewohner der Stadt mit ihrem Wohnumfeld führt. Dies wiederum macht die Stadt als Lebensraum für junge Menschen, Familien und aktive Gestalter attraktiv und führt zur Entfaltung kreativer Potentiale, die von der Stadt Görlitz individuell unterstützt und gefördert werden.
Die westliche Innenstadt hat sich als junges, von kreativen Einflüssen geprägtes Stadtviertel entwickelt, in dessen Mitte das Zentrum für Jugend- und Soziokultur RABRYKA als Impulsgeber, Veranstaltungs- und Aktivitätsort von den Bewohnern der Stadt genutzt wird.
Das Zentrum für Jugend- und Soziokultur ist zu einem wichtigen Katalysator vielfältiger Kulturangebote geworden, die in Zusammenarbeit mit etablierten Kultureinrichtungen und anderen Vereinen entwickelt wurden. Auf diese Weise werden Zielgruppen neu, auf neue Weise oder intensiver erschlossen.
Durch die Weiterentwicklung des Berzdorfer Sees ist Weinhübel als „verbindender“ Stadtteil infrastrukturell so bedeutsam, dass sich das Kühlhaus, als weiteres Soziokulturelles Zentrum mit einer Ausrichtung auf Familien und Menschen ab 27 Jahre, im Kreativbereich und als Zentrum der Skater- und BMX'er-Szene etablieren konnte.

 

Handlungsempfehlungen:

  • Dauerhafte Etablierung der RABRYKA als zentrales Zentrum der Jugend- und Soziokultur im Stadtzentrum vor allem unter dem Aspekt der Aufwertung der Innenstadt West/Brautwiesenbogen.
  • Konsequente Bewerbung um dauerhafte Strukturfördermittel bzw. institutionelle Förderung aus dem Kulturraum Oberlausitz/Niederschlesien zur Betreibung des Zentrums RABRYKA.
  • Weiterentwicklung des Brautwiesenbogens unter der Maßgabe der Aufwertung des Stadtgebietes und Nutzung der bestehenden Freiflächen- und Gebäudepotentiale zur Verortung von soziokulturellen Angeboten
© Jörg Gläscher