Denkmal Görlitz

Das Görlitzer Hallenhaus

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Das Görlitzer Hallenhaus

Über 4000 Baudenkmale in einem unzerstörten Stadtbild machen Görlitz zu einem herausragenden Zeugnis der europäischen Architekturgeschichte. Die Görlitzer Hallenhäuser an der bedeutenden europäischen Handelsstraße und heutige Kulturroute des Europarates VIA REGIA bilden den Kern des historischen Ensembles aus der städtischen Blüte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Ihre Entstehung ist zugleich ein Spiegelbild des zentraleuropäischen Handelswesens jener Zeit.

Die Häuser der Görlitzer Fernhändler waren Wirtschaftsraum und Wohnhaus zugleich. Die Händler reisten nicht mehr zwingend selbst, sondern schufen sich mit den Hallenhäusern exklusive Kontore, von denen aus sie den Markt kontrollieren konnten. Ihre Häuser wurden zunehmend zum Kaufhaus und Messeplatz. Daneben trugen die geräumigen Hallenhäuser als Brauhöfe in beachtlichem Umfang zum Wohlstand der Kaufleute bei. Auch Gästezimmer für reisende Kaufleute und etliche Nebenräume fanden neben den Wohngemächern Platz.

Eines der bemerkenswertesten Raumerlebnisse frühbürgerlicher Hausanlagen ist die weit ausladende Eingangshalle mit einer Durchfahrt zum Hof und der breiten, bequemen Treppe in die große Zentralhalle. Dieses bühnenartige Architekturprogramm wird dem Wunsch nach Repräsentation in ganz besonderer Weise gerecht und widerspiegelt das gewachsene bürgerliche Selbstbewusstsein sehr anschaulich. Ein ganz besonderer Symbolwert kommt der Treppe zu, die im 15. Jahrhundert sie zu einem von Herrscherhäusern bevorzugten Repräsentationselement avanciert. 

 

Aktuelle Ausstellung "Kaufmannspaläste an der VIA REGIA"

Die Stadt Görlitz bewirbt sich mit dem Thema "Ein Architekturensemble von Kaufleuten an der VIA REGIA" um den UNESCO-Welterbetitel. Die Hallenhäuser bzw. Kaufmannspaläste spielen dabei eine wichtige Rolle: 30 dieser einzigartigen Baudenkmäler werden für die Welterbe-Bewerbung erforscht. Sie sind als herausragende Zeugnisse ihrer Epoche geeignet, das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen. Dabei werden sowohl Eigentümerchroniken seit dem 14. Jahrhundert erforscht als auch die Haus- und Bauforschung vertieft. Einen aktuellen Einblick in diese Thematik gibt die Ausstellung im Hallenhaus in der Brüderstraße 9.

Zu sehen ist die Tageslicht-Ausstellung vom 1. Juni bis 17. Oktober 2021. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag - 10.00 bis 18.00 Uhr.

Die Ausstellung ist für Besucher unter Einhaltung der geltenden hygienischen Bestimmungen zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Flyer zur Ausstellung (deutsch) [0,7 MB]

Flyer zur Ausstellung (englisch) [0,7 MB]

Flyer zur Ausstellung (polnisch) [0,7 MB]

Das Hallenhaus in der Brüderstraße 9 ist unsaniert und lässt die Besucher:innen in die Entstehungsgeschichte eintauchen. Neben dem Hauptausstellungsstück, dem Gebäude selbst, sind herausragende Fotoinstallationen von Ulrich Schwarz zu sehen. Gezeigt werden eine Auswahl exemplarischer Gebäude an der via Regia in Polen mit den Stationen Liebenthal, Greiffenberg, Schweidnitz, Krakau und Jaroslau. Die Gebäudekubatur der Brüderstraße 9 wird in einem hochpräzisen 3-D-Druck gezeigt. In drei Querschnitten durch das Gebäude wird somit die Anatomie des Hauses sichtbar und verständlich. Darüber hinaus sehen die Besucher:innen in einem Animationsfilm die Entwicklung der Görlitzer Hallenhäuser in LEGO-Bauweise.

Das Gebäude Brüderstraße 9 ist nicht nur Ausstellungsort, sondern dient auch zu Forschungszwecken.
Der Görlitzer Ratsarchivar forscht seit einigen Jahren an den Chronologien der Eigentümer von ausgewählten Görlitzer Hallenhäuser. Dabei stellte er fest, dass sowohl für dieses Hallenhaus, als auch für die meisten anderen Görlitzer Hallenhäuser nicht nur die Namen der Besitzer ermittelbar sind. Es ist erstaunlicherweise möglich, durch die nahezu vollständig vorhandenen Haus-Dokumente, wie Geschossbücher und Steuerunterlagen, umfangreiche Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie die im Haus lebenden Personen durch ihre Tätigkeiten und sich wandelnden Lebens- und Arbeitsbedürfnisse den fortwährenden Umbau der Häuser beeinflusst und die Funktionalität der Gebäude geprägt haben.

Zur Webseite: Projekt Welterbe für Görlitz

Weitere Hallenhäuser sind zum Beispiel das Schlesische Museum, das Hotel Frenzelhof und das Biblische Haus, Neißstraße 29, in dem ab 16. Juli 21 freitags 11:00 Uhr wieder Führungen angeboten werden. 

 

Bestandteile des Görlitzer Hallenhauses

Eingangshalle
Lagergewölbe
Braukeller
Treppenhaus
Renaissancesaal
Bohlenstuben
Kapelle
Wohnräume
Sanitärbereich
Portale

 

Weitere Informationen zum Görlitzer Hallenhaus: Flyer als pdf-Download [1,1 MB]

 

Welterbe-Infozentrum

Im neuen Welterbe-Infozentrum gibt die Stadt Görlitz seit Sommer 2021 Einblick in ihre aktuelle Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ausstellung, die von den Görlitzer Sammlungen kuratiert wird, befindet sich in der Galerie Brüderstraße 9, gleich neben dem Hallenhaus Brüderstraße 9.

Weitere Informationen

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