Denkmal Görlitz

Das Görlitzer Hallenhaus

Das Görlitzer Hallenhaus

Eine besondere Bauform wurde in den letzten Jahren entdeckt. Häuser sind die Bausteine der Stadt. So, wie sich die Historische Altstadt von Görlitz dem Betrachter als einzigartiges Beispiel deutscher Stadtbaukunst erschließt, ist auch jedes einzelne Haus ein Teil und doch selbstständiges Ganzes des Kunstwerks Altstadt. Das gilt besonders für die repräsentativen Hausanlagen der Gotik, Renaissance und des Barock, deren prächtigen Fassaden die städtebaulichen Hauptachsen der Altstadt prägen. Am Obermarkt, Untermarkt, in der Brüderstraße, Peter-, Nikolai- und Neißstraße konzentrieren sich die größten und reichsten Häuser, die Stadtpaläste, Patrizierhäuser, "Kaufmannsburgen" (Goethe), Handelshöfe oder wie man sie auch immer nennen möchte. Sie unterscheiden sich wesentlich von den kleineren, bescheideneren Handwerkshäusern der Nebenstraßen und Gassen und haben doch eines gemeinsam – ganz ähnlich strukturierte gotische Giebelhausachsen als Vorgängerbauten. Während das Handwerkerhaus im Verlauf seiner Entwicklung weitgehend in diesem Duktus verbleibt, entsteht im Kern der Altstadt durch Verschmelzung mehrerer Achsen (2 - 4) ein besonderer, ganz eigenständiger Haustyp – das Görlitzer Hallenhaus. Vor dem Hintergrund entscheidender, wirtschaftlicher Veränderungen der Zeit um 1500, dem ungeheuren Reichtum der im Fernhandel privilegierten Stadt und einer sehr weit gereiften Bautechnik, verbunden mit dem verfeinerten kulturellen Anspruch der Bürgerschaft, entsteht ein Handelshof mit nutzungsspezifischen Bau- und Raumformen von höchstem baukünstlerischen Anspruch.

Die äußere Gestaltung der Görlitzer Hallenhäuser ist überwiegend durch die späte Gotik und Renaissance geprägt. Fast alle städtebaulichen Leitbauten, wie der "Schönhof", die "Ratsapotheke", der "Goldene Baum", die Häuser Untermarkt 3, 5 und 25, Brüderstraße 4, 9, 11, Peterstraße 3, 4, 7, 8, 14, Nikolaistrasse 10, Neißstraße 20, 26 oder gar das "Biblische Haus", um nur die wichtigsten der ca. 35 Hallenhäuser aufzuzählen, zeigen sehr reiche, zum Teil figürlich geschmückte Renaissancefassaden. Sie sind die Nachfolge backsteingotischer Fassaden, die bereits Sandsteingewände und Portale besaßen. Die Gestaltungselemente, die Wendel Roskopf 1525 am "Schönhof" einführte und die in ihrer etwas derben Adoption der Italienischen Renaissance für unseren Raum so typisch sind, finden wir vielfach variiert vor. Im einzelnen sind das floral plastisch (Blütenkassetten) oder/und mit allegorischen Figuren und Inschriften geschmückte Sitznischenportale, zu Fensterbänden geordnete, verkröpfte Fenstergewänder mit stark profilierten Verdachungen und Fensterbänken, die diese verbindenden Säulen oder Pilaster, Ecklisenen, Gurtsimse und ein komplettes bauplastisches Programm zur Gestaltung von Erkern und Lauben. Eigentümlich, aber sehr charakteristisch, ist die Verwendung sogenannter "Pfeiler", einer im unteren Teil gefüllten Kanneflur innerhalb der genannten Elemente.

Bestandteile des Görlitzer Hallenhauses

Eingangshalle
Lagergewölbe
Braukeller
Treppenhaus
Renaissancesaal
Bohlenstuben
Kapelle
Wohnräume
Sanitärbereich
Portale

Großes Foto oben: RainerMichel, großes Foto unten/Mitte: Ulrich-Schwarz

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