Berufsfeuerwehr

Feuerwehr-Geschichte

Entstehung und Entwicklung der Berufsfeuerwehr Görlitz

Die ersten Jahrzehnte der Berufsfeuerwehr (1898-1938)

1897
Am 15. November wird auf Druck der Bevölkerung die Berufsfeuerwehr der Stadt Görlitz gegründet. Die Unterbringung der Mannschaften erfolgt im alten Rent-/Waidhaus an der Peterskirche. Ab sofort gehört auch der Transport von Kranken und Verletzten zu den Aufgaben der Feuerwehr.

1899
Görlitz erhält eine elektrische Feuermeldeeinrichtung.

1901
Im März  wurde eine Pferdezug-Drehleiter eingeführt. Die Leiter kann nach allen Richtungen hingewendet werden, ohne das der Wagen, auf dem die Leiter festgemacht ist, von der Stelle bewegt wird.

1903
Eine Kohlensäure-Gasspritze wird angeschafft.

1907
Der Magistrat beschließt die Erbauung eines Feuerwehr-Depots zwischen Kröl- und Gobbinstraße. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 186.951,50 Mark.

1910
Das neue Feuerwehr-Depot für die Berufs- und Freiwillige Feuerwehr wird übergeben.

1912
Die Feuerwehr erhält das erste Automobil-Löschfahrzeug. Die Wache muss umgebaut werden.

1913
Erste Anschaffung von Atemschutzgeräten der Firma Dräger.

1914
Die Feuerwehr erhält das zweite Automobil-Löschfahrzeug sowie eine Magirus-Autodrehleiter. Damit hat die Görlitzer Feuerwehr als erste Feuerwehr die damals modernste Feuerwehrleiter der Welt. Sie dient 26 Jahre in Görlitz.

1918
Abschaffung 48-Stunden-Dienstes und Einführung des 24-Stunden-Dienstes (24 Stunden Dienst, 24 Stunden frei)

1924
Anschaffung einer Fischer-Schwenkachsen-Motorspritze mit einer Leistung von 1100 Liter in der Minute. Die noch benutzten Handdruckspritzen werden endgültig ausgesondert.

1926
Der Fahrzeugpark wird um einen Automobil-Mannschaftswagen vergrößert.

1929
Weitere Anschaffungen von neuer Technik, wie z.B. 1 Minimax-Schaumgenerator. Die Atemschutztechnik wird weiter ausgebaut.

1933
Mit dem Preußischen Gesetz über das Feuerlöschwesen wird die Berufsfeuerwehr in die Polizei eingegliedert und nennt sich "Feuerlöschpolizei Görlitz".

1938
Am 23.11. werden gemäß Reichsfeuerlöschgesetz alle Berufsfeuerwehren in die Deutsche Polizei eingegliedert und nennen sich ab sofort "Feuerschutzpolizei".

Die Feuerwehr in Kriegszeiten (1939-1945)

1939
Mit Kriegsbeginn am 01. September wird der Luftschutz aufgerufen. Die Görlitzer Feuerwehr und damit die Berufsfeuerwehr wird Bestandteil des Sicherheits- und Hilfsdienstes im Luftschutz und hat Feuerlösch- und Entgiftungsbereitschaften aufzubauen, auszubilden und bereit zu halten.

Am 10. November beginnt die Ausbildung von 20 Hitler-Jungen zu Hilfsfeuerwehrmännern.

Die Feuerschutzpolizei erhält ihren ersten Lichtwagen zur Beleuchtung von Brandstellen und einen neuen Krankenwagen. Dieser ist das Modernste, das man sich auf diesem Gebiet zur damaligen Zeit nur vorstellen kann.

1940
Am 18. Mai erhält die Feuerschutzpolizei eine neue mechanische Leiter und am 29. August eine Kraftfahrspritze, hergestellt bei G.A. Fischer in Görlitz und einen modernen Krankentransportwagen.

1945
Am 6. Mai erhält die Feuerschutzpolizei Absetzbefehl. Um 23 Uhr rücken die Kameraden in Richtung Westen ab. Theoretisch gibt es keine Feuerwehr mehr. Die Mannschaft nennt sich Löschhilfe und besteht nur noch aus einem Brandmeister und vier Feuerwehrmännern. Fehlende Einsatztechnik verschlechtert die Lage noch mehr.
Die Feuerwehren arbeiten auf der Grundlage von Verordnungen des Brandschutzes in den Ländern der sowjetischen Besatzungszone.
Im Juni tritt endlich eine personelle Besserung ein (2 Brandmeister, 24 Feuerwehrleute) und im Oktober kommt die dringend notwendige Technik aus anderen Städten (1 Tankwagen und eine Drehleiter).

Neuanfang und DDR-Zeit (1946-1989)

1946
Der Neuaufbau des Görlitzer Feuerlöschwesens beginnt. Aus der Löschhilfe wird langsam wieder eine Berufsfeuerwehr.
Am 01. Februar findet der erste Lehrgang zur Ausbildung von Feuerwehrleuten statt. Neuaufbau und Reparatur des Görlitzer Feuermeldernetzes beginnen.

1947
Am 15. November blickt die Berufsfeuerwehr der Stadt Görlitz auf ihr 50-jähriges Bestehen zurück. Dieser Zeitraum umfaßt nicht nur einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte des Görlitzer Feuerlöschwesens, sondern auch ein halbes Jahrhundert Dienst am Nächsten.

1949
Die Gründung der DDR war auch ein Wendepunkt für die Feuerwehr. Die Berufsfeuerwehr wird wieder Bestandteil der deutschen Verwaltung. Diese übernimmt die gesamte materielle und finanzielle Versorgung und Ausrüstung der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren.

1950
Seit 1. Januar gehören nach einem Regierungsbeschluß der DDR sämtliche Berufsfeuerwehren dem Ministerium für Inneres an. Sie sind somit der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei unterstellt, wo eine eigene Hauptabteilung Feuerwehr gebildet wird. Die Freiwilligen und Werkfeuerwehren blieben in kommunaler Verwaltung.

1951
Die Feuerwehr erhält neue Löschfahrzeuge, Geräte und Löschmittel.

1956
Das 1. Brandschutzgesetz der DDR wird erlassen

1961
Als Beginn der Brandschutzerziehung von Kindern startet man verschiedene Aktionen, z.B. "Kampf dem Lodrian", "Feuerwehrmann Fix", "Löschfahrzeug der guten Taten".

1962
Die erste Konferenz der Brandschutzorgane findet in Warschau statt.

1964
Einführung des Eides für Feuerwehrleute nach Kriegsende.

1968
Beginn der Umstellung der Produktion der Feuerwehrfahrzeuge auf das moderne IFA W 50 Fahrgestell.

1972
Ein neues Statut für Pflicht- und Freiwillige Feuerwehren tritt in Kraft. Die jährlichen Brandschutzwochen werden eingeführt.

1973
Am 10. Juli wird die Görlitzer Jugendfeuerwehr gegründet.

1974
Die Volkskammer der DDR beschließt ein neues Brandschutzgesetz.

1979
Die Freiwillige Feuerwehr Görlitz-Stadt  erhält eine Auszeichnung als "Vorbildliche Freiwillige Feuerwehr".

1981
Ein Kollektiv der Abteilung Feuerwehr des VPKA-Görlitz erhält eine Ehrenurkunde für hervorragende Leistungen im Brandschutz.

1986
Am 1. Juli wird das Dienstkollektiv der Görlitzer Feuerwehr mit der "Medaille für Verdienste im Brandschutz" geehrt. Diese Auszeichnung war hart erkämpft.

1988
Die Görlitzer Feuerwehr bemüht sich auch um einen noch besseren Brandschutz, was auch honoriert wird: 1. Platz beim Feuerwehrkampfsport und 2. Platz beim Kampf um das beste Kommando Feuerwehr im Bezirk Dresden.

1989
Der Beginn der politischen Wende in der DDR bedeutet auch eine Wende für die Feuerwehr. Der schon lange bestehende Unmut über die Zugehörigkeit zum Ministerium des Innern wird laut.

Die Feuerwehr heute (1990-2009)

1990
Die Unsicherheit über den Fortbestand der Berufsfeuerwehr nimmt zu.
Durch den Leiter der Berufsfeuerwehr werden mit der Stadt Görlitz Verhandlungen über die Übernahme in den kommunalen Verantwortungsbereich geführt.
Vier Angehörige der Berufsfeuerwehr besuchen die Stadt Wiesbaden, um Partnerschaftskontakte auf dem Gebiet des Brandschutzes zu knüpfen.
Am 14. Juni wird der Kreisfeuerwehrverband gegründet und am 30. September tritt dieser Verband dem Landesfeuerwehrverband Sachsen bei.
Zum 31. Dezember  wird den Angehörigen der Berufsfeuerwehr das Dienstverhältnis mit der Deutschen Volkspolizei gekündigt.

1991
Am 1. Januar beginnt das neue Arbeitsrechtsverhältnis bei der Stadtverwaltung Görlitz. Zu diesem Zeitpunkt ändert sich auch das Dienstsystem ( 56-Stunden Arbeitswoche, 24 Stunden Dienst, 48 Stunden frei).
Laut Jahresbericht rückt die Berufsfeuerwehr zu 719 Einsätzen aus, wobei eine Zunahme der Technischen Hilfeleistungen zu verzeichnen ist.
Am 2. Juli tritt das Sächsische Brandschutzgesetz in Kraft.
Görlitz erhält eine moderne Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst.

1992
Zum 01. Januar wird bei der Stadtverwaltung das "Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen" gebildet. Die Berufsfeuerwehr erhält die erste neue Technik und das Personal besteht aus 56 feuerwehrtechnische Bediensteten.
Die Sirenen in der Stadt werden abgeschafft. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgt jetzt durch analoge Funkmeldeempfänger.

1993
Bei der Stadtverwaltung wird das Amt "Berufsfeuerwehr" gebildet. Es werden neue Einsatzfahrzeuge auf der Basis von Volkswagen und Mercedes Benz angeschafft. Im November beginnen Umbau und Rekonstruktion der Feuerwache.

1994
Die kontinuierliche Beschaffung von neuer moderner Technik wird fortgesetzt.
Der Umbau der Feuerwache ist abgeschlossen. Nach einer Havarie erhält die Wache straßenseitig neue Rolltore. Das Wohnhaus Gobbinstraße wird zum Lager- und Verwaltungsgebäude umgebaut.
Am 1. Juni wird die Leitstelle Feuerwehr und Rettungswesen auf der Reichertstraße 112 in Betrieb genommen. 11 Angestellte koordinieren sämtliche 112-Notrufe.

1995
Die ständig sinkende Einwohnerzahl, wenig Gewerbeansiedlungen und die Finanznot der Stadt führen zu der Frage, ob man überhaupt noch eine Berufsfeuerwehr braucht. Diskussionen, auch unter der Bevölkerung, erhitzen die Gemüter.
Das Amt "Berufsfeuerwehr" wurde in eine Abteilung Brandschutz-, Katastrophenschutz und Rettungswesen beim Ordnungsamt umgewandelt.

1996
Am 29. Februar verabschiedet der Stadtrat das neue Feuerwehrkonzept. Der Status der Görlitzer Feuerwehr als Berufsfeuerwehr bleibt erhalten. Damit hat sie wieder eine Perspektive. Trotzdem sind Einsparungen nicht abzuwenden. Geplant ist u.a. die Verstärkung der Freiwilligen Feuerwehr, um den Personalabbau bei der Berufsfeuerwehr ausgleichen zu können.

1997
Das Jahr steht ganz im Zeichen des Jubiläums.
Im November wird der 100. Jahrestag der Gründung der Berufsfeuerwehr der Stadt Görlitz feierlich begangen.

1998
Drei Brandmeisteranwärter werden als Beamte auf Widerruf zur Ausbildung eingestellt, die erste Ausbildung entsprechend der neuen sächsischen Ausbildungs-und Prüfungsordnung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst.
Einführung der Feuerwehrschutzbekleidung nach HuPF und Beschaffung Gerätewagen Gefahrgut

1999
Der "Jahr 2000 -Wechsel" erfolgte ohne Probleme für die Stadt und die Feuerwehr

2000
Die Feuerwache wurde umfassend saniert und zum Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert

2002
Es erfolgt die Verbeamtung eines Großteils der Kollegen des Einsatzdienstes.
Die Berufsfeuerwehr übernimmt die Aufgabe des Krankentransportes nachts und am Wochenende.
Das Jahrhunderthochwasser verschont Görlitz weitestgehend, trotzdem sind 214 Kräfte im Einsatz, 119 Einsatzkräfte sind sachsenweit im überörtlichen Einsatz

2003
Das neue Feuerwehrtechnische Zentrum auf der Krölstraße geht in Betrieb

2007
Auf Grund einer neuen EU-weiten Regelung wird die 48-Stundenwoche
eingeführt. In der Folge wird aus Kostengründen die Dienststärke von 1:12 auf 1:10 reduziert.

2008
Die Berufsfeuerwehr ist ab Dezember Leistungserbringer im Rettungsdienst mit einem Mehrzweckfahrzeug

2009
Die Stadt Görlitz gibt im Zuge der Kreisreform ihre Kreisfreiheit auf. Dadurch gehen die Bereiche Leitstelle und Katastrophenschutz an den neuen Landkreis Görlitz über.

(bf/ur)

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