Lausitz Festival stellt Programm-Highlights 2026 vor
vom 24.03.2026
Auf einer Pressekonferenz in Berlin wurde das diesjährige Programm des Lausitz Festival vorgestellt, © Daniel Scholz
Starke Theater- und Musiktheater-Projekte, ein neu geschaffener Kunstpreis, attraktive Konzerte und mehr prägen die neue Festival Ausgabe. Sie steht unter dem Inspirationswort geschöpferisch.
Berlin, 23.03.2026: Intendanz und Geschäftsführung des Lausitz Festivals stellten heute in der Landesvertretung Brandenburg beim Bund in Berlin Highlights des diesjährigen Festivals vor, das vom 25. August bis 13. September 2026 in vielen Spielstätten in der Lausitz zu erleben ist. Vom Podium aus sprachen Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen und einer der beiden Schirmherrn des Festivals, sowie Staatssekretär David Kolesnyk, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund, zu den Gästen der Veranstaltung.
Den Schwerpunkt des Festivalprogramms 2026 bilden Theater und Musiktheater, des Weiteren sind Konzerte mit hochrangigen Interpreten wie Tenebrae Choir, Kammerorchester Basel und Pierre-Laurent Aimard angekündigt. Das Langzeit Projekt Lausitzlieder, bei dem Texte von Laienautor:innen aus der Region zu Popsongs weiterentwickelt wurden, bringen die renommierte Singer/Songwriterin Alin Coen und eine Band um den Komponisten und Bassisten Haggai Cohen-Milo mit einem Konzert in Cottbus/Chóśebuz zum Abschluss.
Eröffnet wird die siebte Ausgabe des Lausitz Festivals mit der festlichen Verleihung des neu geschaffenen Credo-Preises (siehe dazu die gesonderte Information). Die Verleihung findet im Rahmen einer in mehrfacher Hinsicht besonderen Aufführung von Ausschnitten aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach in Görlitz statt. Den Anfang bilden jene Mess-Teile »Kyrie« und »Gloria«, mit denen Bach sich 1733 um die Stelle als Königlich Polnischer und Churfürstlich Sächsischer Hof-Compositeur in Dresden bewarb (in der Musikgeschichte deshalb Missa brevis oder »Dresdner Messe« genannt). Das »Agnus dei« sowie das »Dona nobis pacem«, die zum Schluss erklingen werden, stammen aus der später von Bach vollendeten h-Moll Messe. Dazwischen soll zu jeder Preisverleihung ein neues »Credo« in Auftrag gegeben werden, wobei der Komponistin bzw. dem Komponisten freigestellt wird, ob dafür der liturgische Credo Text aus der Messe vertont wird oder ein anderer. Aus dem Mese-»Credo« wird so ein zeitgenössisches »ich bekenne mich«. Im ersten Preis-Jahr schenkt der französische Komponist Sylvain Cambreling, seit Anbeginn ein Wegbegleiter des Festivals, dem Lausitz Festival ein neues »Credo«.
Vier Bühnenproduktionen – zwei in Cottbus/Chóśebuz (Brandenburg), je eine in Weißwasser und Großröhrsdorf (Sachsen) – bringen große Namen der Theaterwelt in die Region. So spielen in einer Neuinszenierung von Shakespeares Drama »Hamlet« im Hangar 1 in Cottbus/Chóśebuz Corinna Harfouch und Götz Schubert, in der Titelrolle des Dänenprinzen Hamlet wird Linn Reusse zu erleben sein. Unter der Regie von
Marcel Kohler kommt für diese Produktion dasselbe Team zusammen, das in den beiden vorangegangenen Festivalausgaben in Weißwasser mit Shakespeares »Othello/Die Fremden« für Begeisterung sorgte. In Zusammenarbeit mit dem 2025 gegründeten Freundeskreis des Lausitz Festivals ist zur »Hamlet«-Produktion ein Education-Projekt mit einem Cottbuser Gymnasium vereinbart.
Der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler erfindet unter dem Titel »Erste letzte Sekunde« einen für seine Bühnenwerke charakteristischen, abgründig-humoristischen Musiktheaterabend über die Suche nach der Bedeutung des wahren Augenblicks in der Gegenwart, wie er im bombastischen (Fernseh-)Genre Gala vermeintlich gefeiert, tatsächlich aber planmäßig verfehlt wird. Michael Sturminger, Regisseur der Erfolgsproduktion »Sonettfabrik« aus dem Vorjahr, konzipiert mit »Das Mahl« (Arbeitstitel) im Auftrag des Festivals ein neues Stück, das in Weißwasser uraufgeführt werden wird. Ausgangspunkt hierfür ist eine theatrale Verschränkung zweier Texte Franz Kafkas mit Haltungen und Redepassagen von Figuren aus mehreren Dramen Shakespeares, die in früheren Ausgaben des Lausitz Festivals zur Aufführung gelangten. Im gedanklichen Zentrum der Inszenierung steht die Freiheit als notwendige Voraussetzung für einen Neuanfang, der immer möglich ist, und die Gemeinschaft der vielen, die alle einzig sind, ohne die menschliches Handeln nie möglich ist.
Der Jugendklub des Piccolo Theater Cottbus/Chóśebuz wartet mit der Uraufführung von »gehen bleiben« auf, einem Stück, das aktuelle Lebensfragen der jungen Generation verhandelt. Die Darstellerinnen und Darsteller der Cottbuser Bühne erarbeiten das Stück selbst und entwickeln den Text in Zusammenarbeit mit Ruth-Maria Thomas, die aus Cottbus stammt und selbst eine Zeitlang dem Jugendklub der Bühne angehörte. Überregional bekannt geworden ist sie mit ihrem Debütroman »Die schönste Version«. Die Spielleitung liegt beim Künstlerischen Leiter des Theaters, Matthias Heine. Das Stück geht anschließend ins Repertoire des Piccolo Theaters. Im Lauf des Festivals wird es im Rahmen einer Kooperation zwischen Lausitz Festival, Piccolo Theater und Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau auch in zwei Vorstellungen in Görlitz und Zittau gezeigt.
Die Brikettfabrik Louise in Domsdorf, die sich 2025 für vier Theaterabende in eine »Sonettfabrik« verwandelte, öffnet wie in den Anfangsjahren des Festivals die Türen ihrer Maschinenhalle wieder für Jazz. Das international besetzte Trio um den französischen Akkordeon-Virtuosen Vincent Peirani mit Federico Casagrande (Gitarre) und Ziv Ravitz (Schlagzeug) bringt Improvisationskunst der Spitzenklasse in den stimmungsvollen Bau aus der Gründerzeit. Der Tenebrae Choir unter seinem Gründer und Leiter Nigel Short gibt wenige Tage nach der Eröffnung in Görlitz noch ein zweites Konzert: In der St. Nikolai-Kirche Forst feiert der Chor unter dem Titel »Celestial Gift« sein 25-jähriges Bestehen mit einem mehrere Jahrhunderte umspannenden A cappella-Programm. Der Chor nutzt seinen Aufenthalt in der Lausitz zudem für zwei Workshops, »The Tenebrae Effect« genannt, mit Laien aus der Region. Die Teilnahme ist kostenlos.
Im lichtdurchfluteten Kirchensaal der Brüdergemeine Herrnhut spielt der Pianist Pierre Laurent Aimard ein Programm mit ineinander verschränkten Werken von György Kurtág und Johann Sebastian Bach. Kurtág, der weltberühmte ungarische Komponist, wurde kürzlich 100 Jahre alt. Aimard zählt zu den Interpreten, die ihm seit Jahrzehnten besonders nahestehen und sein Werk mit höchster Autorität zu spielen vermögen.
Corinna Harfouch ist in dieser Festivalsaison nicht nur auf der Bühne beim »Hamlet« zu erleben, sie gestaltet auch eine Lesung aus dem Buch »Das weiße Leintuch« des litauischen Autors Antanas Škėma (1910-1961) im Kulturforum Görlitzer Synagoge. »Das weiße Leintuch«, ein aufregender New-York-Roman aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, wurde erst kürzlich erstmals ins Deutsche übersetzt. Corinna Harfouch
gestaltet den Abend gemeinsam mit der Pianistin Hideyo Harada, die ausgewählte Stücke von Bach über Chopin und Schumann bis Čiurlionis, Bartók und Strawinsky spielt.
Die philosophische Diskursreihe Lausitz Labor um die Gastgeber Christiane Voss und Christoph Menke in Cottbus/Chóśebuz wird fortgesetzt, auch das Gesprächsformat Streit & Zuversicht, mit dem die Zeit-Stiftung im Vorjahr erstmals beim Lausitz Festival zu Gast war, erlebt in der Zittauer Spielstätte des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau eine Neuauflage. Podiumsgäste und Themen werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.
Das Lausitz Festival bereitet überdies eine Kunstausstellung vor, weitere Literaturveranstaltungen und plant auch Ergänzungen im Konzertprogramm. Hierzu erscheint im Lauf des Frühjahrs eine separate Presseinformation.
Seit es das Lausitz Festival gibt, gibt es sich Jahr für Jahr ein neues Inspirationswort. Es soll nicht als Motto oder Leitlinie verstanden werden, sondern möchte vielmehr auf spielerische Weise den Geist beflügeln. Diesmal lautet das Inspirationswort geschöpferisch. Es verweist auf die Doppelnatur des Menschen, der ein Geschöpf der Natur ist und zugleich selbst schöpferisch. Und es lässt anklingen, dass der Mensch Letzteres am besten im steten Bewusstsein des Ersteren tun möge.
Auf den folgenden Seiten finden Sie das Programm des Lausitz Festivals 2026
Das Lausitz Festival wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus.
Mehr dazu unter: https://www.lausitz-festival.eu/de/programm
