UNITED HEAT: Spatenstich markiert Beginn der Bauphase – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche würdigt länderübergreifendes Fernwärmeprojekt
vom 31.03.2026
Ein historischer Moment für die Europastadt Görlitz/Zgorzelec: Nach sechs Jahren intensiver Planung fiel heute der Startschuss für die Bauphase des grenzüberschreitenden Fernwärmeprojekts UNITED HEAT. Mit UNITED HEAT verwirklichen die Europastadt Görlitz/Zgorzelec und ihre Partner ein zukunftsweisendes Projekt, das die nachhaltige Wärmeversorgung der Bürgerinnen und Bürger beider Städte langfristig sicherstellt.
Mit einem feierlichen Spatenstich auf dem Gelände der Görlitzer Kläranlage setzen die Stadtwerke Görlitz (SWG AG), gemeinsames Unternehmen von Veolia und der Stadt Görlitz, und der polnische Wärmeversorger SEC Zgorzelec, eine Tochter von E.ON, ein kraftvolles Signal für die europäische Energiewende.
Die Bedeutung des Vorhabens spiegelte sich in der hochkarätigen Gästeliste wider: Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Wojnarowski, Unterstaatssekretär des polnischen Energieministeriums, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Paweł Gancarz, Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, würdigten gemeinsam mit den Oberbürgermeistern Octavian Ursu (Görlitz) und Rafał Gronicz (Zgorzelec) diesen Meilenstein deutsch-polnischer Zusammenarbeit.
„Nach vielen Jahren akribischer Vorbereitung, in denen wir die Machbarkeit dieses einzigartigen Projekts geprüft und die finanzielle Unterstützung durch Fördermittel erfolgreich gesichert haben, beginnt nun die entscheidende Phase", betonte Matthias Block, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG. „UNITED HEAT ist mehr als ein Infrastrukturprojekt – es ist ein Symbol für erfolgreiche europäische Zusammenarbeit und den entschlossenen Weg zur Dekarbonisierung, Effizienz und Zukunftssicherheit."
Ein Projekt mit Vorbildcharakter für ganz Europa
Mit UNITED HEAT verwirklichen die Europastadt Görlitz/Zgorzelec und ihre Partner ein zukunftsweisendes Projekt, das die nachhaltige Wärmeversorgung der Bürgerinnen und Bürger beider Städte langfristig sicherstellt. Das Vorhaben stützt sich auf zwei wesentliche Säulen, die seine europaweit einzigartige Bedeutung unterstreichen:
Bis 2030 stellen beide Städte ihre Wärmeerzeugung vollständig auf erneuerbare Energieträger um. Zum Einsatz kommen innovative Technologien wie Solarthermie mit saisonaler Speicherung, Wärmerückgewinnung aus See- und Abwasser, Biomassekessel sowie Abwärme und Power-to-Heat-Anlagen. Diese Transformation ermöglicht eine jährliche CO₂-Einsparung von knapp 50.000 Tonnen. Das entspricht in etwa dem Ausstoß von 28.000 PKW im Jahr.
Durch die Verbindung der Fernwärmenetze – sowohl innerhalb von Görlitz als auch grenzüberschreitend mit Zgorzelec – entstehen Synergien, die es ermöglichen, zusätzliche Haushalte entlang der Trassen an das auf erneuerbare Energien basierte Fernwärmenetz anzuschließen. Die Vernetzung der Systeme und die Erweiterung der Erzeugungstechnologien erhöhen die Versorgungssicherheit für die Menschen auf beiden Seiten der Neiße deutlich. Das Projekt ist damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie grenzüberschreitende Kooperation zur Stärkung der Energieresilienz beiträgt.
Politische Würdigung auf höchster Ebene
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche würdigte das Projekt als Vorbild für die europäische Energiewende: „United Heat zeigt eindrucksvoll, wie Kommunen bei der Wärmeversorgung über Ländergrenzen hinweg erfolgreich zusammenarbeiten können. Für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung mitten in Europa unterstützen wir die Investitionen auf deutscher Seite mit 81,6 Millionen Euro. Durch die Verknüpfung der deutschen und polnischen Fernwärmenetze wird der Wärmesektor kosteneffizient dekarbonisiert und unsere Energiesicherheit gestärkt – für eine moderne Infrastruktur zum Vorteil der Unternehmen und Verbraucher in Görlitz und Zgorzelec."
Der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer ergänzte: „Görlitz und Zgorzelec beweisen, dass die Energiewende keine Grenzen kennt. Dieses Fernwärmeprojekt ist ein Leuchtturm für ganz Europa und zeigt, was möglich ist, wenn Städte, Länder und Unternehmen gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten. Es ist zugleich ein symbolträchtiger Meilenstein für die deutsch-polnische Zusammenarbeit und ein starkes Signal dafür, wie Klimaschutz, Strukturentwicklung und europäische Partnerschaft erfolgreich miteinander verbunden werden können.“
Der polnische Energieminister Miłosz Motyka betonte die Bedeutung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit: Die Integration der Fernwärmesysteme Polens und Deutschlands ist ein wichtiger Schritt für die Energiesicherheit und zugleich eine symbolische Geste der Partnerschaft und unserer gemeinsamen Verantwortung. Dank dieses Projekts können Polen und Deutschland gemeinsam eine stabile Wärmeversorgung gewährleisten, die Nutzung von Energie optimieren und emissionsarme Technologien entwickeln. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Wärmesektor ermöglicht den Austausch von Wissen, die Umsetzung von Innovationen und die Schaffung von Systemen, die gegenüber Schwankungen auf dem Energiemarkt widerstandsfähig sind. Sie ist zudem ein Vorbild für andere Länder unserer Region, wenn es darum geht, kollektive Resilienz aufzubauen. Ich danke unseren Partnern aus Deutschland für ihr Engagement und ihr Vertrauen.“
Von der Vision zur konkreten Umsetzung
Mit dem Spatenstich auf dem Gelände der Görlitzer Kläranlage beginnt der erste Bauabschnitt des grenzüberschreitenden Wärmenetzes in Görlitz – die Vision wird damit erstmals für alle Bürgerinnen und Bürger sichtbar. Im Frühjahr 2026 startet der Bau des ersten von insgesamt zwölf geplanten Kilometern der Verbindungsleitung. Der Spatenstich markiert den Auftakt für das Bauvorhaben auf der Schlesischen Straße, bei dem das Blockheizkraftwerk Görlitz/Königshufen mit der Kläranlage verbunden wird.
Noch in diesem Jahr ist zudem die Anbindung des Siemens-Standorts an das Fernwärmenetz Königshufen geplant – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Vernetzung der vier Görlitzer Fernwärmegebiete. Diese Maßnahme erfordert umfangreiche Bauarbeiten auf der Cottbuser Straße und dem Brautwiesenplatz.
„Die Baumaßnahmen in Königshufen sowie auf der Cottbuser Straße und dem Brautwiesenplatz sind der erste sichtbare Beweis dafür, dass UNITED HEAT keine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern konkrete Gegenwart", erklärt Matthias Block. „Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger um Verständnis für die temporären Einschränkungen. Diese Arbeiten sind notwendig, um die Grundlage für eine resiliente und dekarbonisierte Wärmeversorgung zu schaffen, von der alle profitieren werden."
Bereits im vergangenen Jahr wurden die ersten Baumaßnahmen auf polnischer Seite umgesetzt, wie Jarosław Grzęda, stellvertretender Geschäftsführer von SEC Zgorzelec Sp.z.o.o. ergänzt: „Wir bauen bereits ein Biomasseheizwerk auf unserem Standort in Zgorzelec; darüber hinaus werden wir ein Solarheizwerk mit Wärmespeicher in Betrieb nehmen und die Fernwärmesysteme beider Städte miteinander verbinden. Wir werden ein System schaffen, das den Einwohnern Sicherheit sowohl hinsichtlich der Stabilität als auch der Unabhängigkeit der Wärmeversorgung bietet. Diese Lösung basiert auf erneuerbaren Energiequellen. Dadurch können die Einwohner von Zgorzelec sicher sein, dass die Wärme in ihren Häusern unabhängig von der Verfügbarkeit von Brennstoffen und der geopolitischen Lage gewährleistet ist."
Rund 30 hochspezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Ländern arbeiten gemeinsam an der Realisierung dieses zukunftsweisenden Vorhabens. Diese internationale Zusammenarbeit spiegelt den europäischen Geist des Projekts wider und zeigt, wie grenzüberschreitende Kooperation in der Praxis funktioniert.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu sagte: „Dieser Spatenstich ist ein historischer Moment für uns. Abgesehen von der technologischen Besonderheit des Projekts, ist gerade jetzt die Kooperation über die Ländergrenze hinweg ein wichtiges Signal für die Verlässlichkeit der Energieversorgung in unserer Europastadt. Dass wir die grenzübergreifende, klimaneutrale Fernwärmeversorgung mitten in Europa so umsetzen können, basiert auf gegenseitigem Vertrauen und einer stetig engen Zusammenarbeit, die uns in der Europastadt Unabhängigkeit und Sicherheit mit Blick auf die Energieversorgung gibt.“
Sein Amtskollege Rafał Gronicz ergänzte: „Mit der wegweisenden Entscheidung im Jahr 2020, uns gemeinsam auf den Weg zu einer grenzüberschreitenden Fernwärmeversorgung zu machen, wurde eine neue Etappe der Zusammenarbeit unserer Europastadt eingeleitet. Mit dem Projekt United Heat sind Zgorzelec und Görlitz zu Vorreitern einer Lösung geworden, die künftig unseren Bürgern auf beiden Seiten der Neiße dienen wird.“
Mit dem heutigen Spatenstich setzt UNITED HEAT ein starkes Zeichen für eine klimaneutrale, resiliente und grenzüberschreitende Energieversorgung in Europa – von der Planung zur Umsetzung, von der Vision zur Realität.
