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Stadthalle Görlitz: CongressCenter und Halle für alle

Stadthalle Görlitz: CongressCenter und Halle für alle

vom 11.03.2026

Erstmals wurde das neue Erscheinungsbild verbunden mit den künftigen Nutzungsmöglichkeiten der Stadthalle Görlitz in der Landesvertretung des Freistaates Sachsen öffentlich präsentiert. / © Sascha Lisicki

Die Stadt Görlitz präsentierte ihr derzeit größtes Zukunftsprojekt am vergangenen Montag in der Bundeshauptstadt. Mit der sanierten Stadthalle wird die Europastadt Görlitz/Zgorzelec zu einer attraktiven Destination auf dem Markt für Tagungen und Kongresse.

„Stadthalle Görlitz – zurück 2029“: Mit dieser Botschaft hat die Stadt Görlitz eines ihrer wichtigsten Zukunftsprojekte an diesem Montag (9. März) in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin vorgestellt. Gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu die neue Marke und die künftigen Nutzungsmöglichkeiten der größten Veranstaltungshalle zwischen Dresden und Wrocław (Breslau) präsentiert. Aktuell wird die Stadthalle saniert und soll ab 2029 der neue Ort für internationale Begegnungen und großformatige Tagungen sein.

Vertraut bleibt der Name: Stadthalle Görlitz. Damit wird die Tradition der 1910 eröffneten Jugendstilhalle gewürdigt. Und es wird deutlich, dass der mehr als zwanzigjährige Leerstand nur eine Pause war. 2029 kehrt das Leben an einen modernen Kultur- und Kongressort zurück.

Sachsens Ministerpräsident hob in Berlin die Entwicklungspotenziale der Lausitz und der Europastadt Görlitz-Zgorzelec hervor. Die Region bereite sich intensiv und erfolgreich auf das Ende der Energiegewinnung durch Braunkohle vor, die die Lausitz jahrzehntelang stark geprägt hat. Wissenschaft und Forschung spielen dabei eine zentrale Rolle. „Die Stadthalle Görlitz wird eine wichtige Funktion beim Strukturwandel haben.“

„Die Stadthalle gehört zur Seele unserer Stadt und wird eine Halle für alle sein: ein Treffpunkt für die Menschen und ein Symbol für das Miteinander sowie ein Ort des Fortschritts mit Blick auf den wachsenden Forschungs- und Wissenschaftsstandort Görlitz. Sie steht dafür, was die Europastadt Görlitz/Zgorzelec ausmacht: die Entwicklung von Zukunftsperspektiven in Verbindung mit unserem historischen Erbe“, sagt Oberbürgermeister Octavian Ursu.

Der Ort für die erste Präsentation der künftigen Nutzungsmöglichkeiten und der neuen Marke war bewusst gewählt. Die Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund liegt im Zentrum der Hauptstadt Berlin. Denn die Stadthalle Görlitz steht für Zukunftsperspektiven und neue Möglichkeiten für den trinationalen Verflechtungsraum zwischen Dresden, Berlin, Wrocław (Breslau) und Prag.

„Mit der Stadthalle steigern wir die kulturelle und gesellschaftliche Lebensqualität in der Region und setzen neue Impulse. Mit ihrer Sanierung bekommt die Region im Herzen der Europastadt Görlitz/Zgorzelec eine hochwertige Veranstaltungsstätte und ein modernes Tagungszentrum, das internationalen Ansprüchen genügt“, sagt Benedikt M. Hummel, Bürgermeister für Integrierte Stadtentwicklung und Vorsitzender der Stadthallenstiftung.


Starker Markt für Tagungen und Kongresse


Deutschland sowie die östlichen Nachbarländer Polen und Tschechien zählen international zu den wichtigsten Märkten für Tagungen und Kongresse. Das betonte der Geschäftsführer des German Convention Bureaus (GCB), Matthias Schultze.

Mit der Neuansiedlung des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) und weiterer Wissenschaftseinrichtungen ist der Bedarf für einen großen Tagungsort bereits jetzt erkennbar. Der Ort der Markenpräsentation im Herzen der Bundeshauptstadt unterstreicht den Anspruch der Stadt Görlitz, mit der neuen Halle überregionale Veranstalter und Gäste anzuziehen.

„Wir treten in eine neue Phase der touristischen Entwicklung ein“, sagte die Geschäftsführerin der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH, Eva Wittig, zuständig für Wirtschaftsförderung und Tourismus. „Wir sind schon jetzt eine starke touristische Destination mit kontinuierlich wachsenden Tourismuszahlen und attraktiven Angeboten“, betonte Eva Wittig. Ihre leistungsfähige touristische Infrastruktur will die Stadt nun gezielt für das Feld der Tagungen und Kongresse erweitern.


Das bietet die Halle


Herzstück der Stadthalle Görlitz war und bleibt der Jugendstilsaal mit einer Konzertorgel von Wilhelm Sauer. Mit der denkmalgerechten Sanierung werden alle Verblendungen aus der NS-Zeit entfernt, und die ursprüngliche Schönheit der ersten Jahre nach 1910 kommt wieder zum Vorschein. Diese historische Eleganz verbindet sich mit modernster Technik. So wird der historische Baukörper zu einem vielseitig nutzbaren Veranstaltungsort.

Der große Saal bietet 950 Sitzplätze (1.500 Stehplätze) im Parkett sowie 500 weitere Plätze auf den beiden Rängen. Die Orgel von 1910 wird wieder eingebaut und ist mit einem weltweit einzigartigen
Fernschwellwerk ein hochwertiges spätromantisches Konzertinstrument.

Der Kleine Saal (historisch „Bankettsaal“) wird flexibel für verschiedenste Veranstaltungsformate mit bis zu 250 Gästen nutzbar sein.

Vier kleinere Gartensäle sind für Seminare oder Feierlichkeiten jeweils separat oder im Verbund nutzbar – für Veranstaltungen mit 50 bis 200 Personen.

Neu ist ein moderner Anbau zur Neiße hin. Er bietet ein Foyer als Erweiterung und barrierefreien Übergang zum historischen Bau. Seine gläsernen Fronten geben den Blick frei zur Neiße und hinüber auf die polnische Seite der Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Veranstaltungen für bis zu 450 Personen sind hier möglich – zudem lässt sich dieser Komplex in fünf separate Säle für kleinere Veranstaltungen aufteilen.

Mit diesem Raumprogramm und modernster Technik wird die Stadthalle Görlitz ab 2029 ein idealer Ort für Tagungen und Kongresse mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Zugleich wird sie als eleganter Ball- und
Konzertsaal neu zu erleben sein.

 

Die Halle und ihre Geschichte


Konzipiert wurde die Stadthalle zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Konzerthalle. Architekt war Bernhard Sehring, der in Berlin unter anderem das „Theater des Westens“ sowie in Cottbus das Staatstheater gestaltet hat. Eröffnet wurde die Stadthalle Görlitz im Oktober 1910. Sie wurde zum zentralen Ort der Stadtgesellschaft. Die Berliner Philharmoniker waren mit ihrem Chefdirigenten Wilhelm Furtwängler mehrfach zu Gast. NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hielt hier am 8. März 1945 – zwei Monate vor Kriegsende – seine letzte öffentliche Rede.


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadthalle mit Auftritten bekannter Stars der Musik- und Unterhaltungsbranche zum Anziehungspunkt für die gesamte Oberlausitz. Wegen baulicher Mängel wurde die Halle Ende 2004 geschlossen.


Die Marke


Das neue Erscheinungsbild der Stadthalle Görlitz in seiner klaren und modernen Form unterstreicht die neuen Nutzungsmöglichkeiten der Stadthalle Görlitz. Das entwickelte Logo in Kreisform verbindet die Buchstaben G und S und bindet symbolisch die Brücke mit ein, die die Städte Görlitz und Zgorzelec über den Grenzfluss Neiße hinweg verbindet.

Frische und markante Farben drücken Lebendigkeit und Modernität aus. Himmelblau und Orangerot heben sich dabei von den kräftigen, aber eher pastosen Farben ab, die den Sälen im Innern der historischen Halle eine besondere Eleganz verliehen haben und nach der Sanierung wieder zur vollen Geltung kommen werden. Die Schriften der neuen Marke Stadthalle Görlitz sind markant, zeitlos modern und kraftvoll.

Gestaltet wurde die neue Marke von der Agentur „The Studios“ aus Hamburg. Sie hat sich in einem bundesweiten Wettbewerb durchgesetzt. Mehr als 20 Agenturen aus ganz Deutschland hatten sich um den
Auftrag beworben, die neue Marke zu entwickeln.

The Studios zählen zu den renommiertesten Agenturen ihrer Branche in Europa. Bekannte Design- und Kulturmarken wurden von ihnen entwickelt, darunter HUGO BOSS und Bamberger Symphoniker.

„Uns reizt es, etwas Nachhaltiges zu entwickeln. Eine gute Marke hat über viele Jahre, sogar Jahrzehnte Bestand. Das gilt für ein international bekanntes Luxusprodukt ebenso wie für eine Veranstaltungshalle mit regionaler Verankerung“, sagt Geschäftsführer Lars Bogdahn.

Für den Neustart der Stadthalle Görlitz stand nach zwanzigjähriger Betriebsunterbrechung auch die Umbenennung mit Blick auf einen internationalen Markt als Möglichkeit im Raum. „The Studios“ legten sich frühzeitig auf die klassische Variante fest: Stadthalle Görlitz. „Durch ihre Geschichte als wichtigste Veranstaltungshalle im Umkreis von 80 Kilometern ist dieser Name bereits eine etablierte, starke Marke“, sagt Bogdahn. Die klare Zuordnung, lokale Verankerung und eine prägende Historie seien wichtige Werte.

Je nach Zielgruppe und Funktion wird der Titel variiert. Mit Blick auf den für Görlitz neuen und wichtigen überregionalen Tagungsmarkt heißt die Halle „CongressCenter Stadthalle Görlitz“. In der Ansprache für die kulturelle und gesellschaftliche Nutzung entfällt dieser Zusatz. Hier präsentiert sich die Halle in Design und Ansprache nach dem Leitmotiv „Halle für alle“.

Mit der neuen Marke geht auch die Homepage der Stadthalle Görlitz an den Start:
www.sh-goerlitz.de


Die Sanierung


Im Januar 2025 haben die Bauarbeiten für die Sanierung der Stadthalle Görlitz begonnen. Ende 2028 sollen sie abgeschlossen sein. Die Stadt Görlitz investiert 50,7 Millionen Euro in das Projekt. 90 Prozent der Kosten werden von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Sachsen getragen, die sich die Last je zur Hälfte teilen. 10 Prozent der Gesamtkosten zahlt die Stadt Görlitz aus dem eigenen Haushalt.

Für die Vergabe der Bauleistungen werden insgesamt 80 Einzellose ausgeschrieben. Damit soll es mittelständischen Betrieben aus der Lausitz möglich werden, erfolgreich mitzubieten. Nach gut einem Jahr liegen die Arbeiten gut im Kosten- und Zeitplan, sagt der zuständige Bürgermeister Benedikt M. Hummel.


Start und Betreibung


Die ersten Veranstaltungen in der Stadthalle Görlitz sind für Anfang 2029 vorgesehen. Zwei Görlitzer Planungsbüros bilden die Arbeitsgemeinschaft (ARGE), die im März 2020 vom Görlitzer Stadtrat mit der Gesamtsanierung der Stadthalle beauftragt wurde. Dies sind die Weise Planungsgesellschaft mbH und die Architektur- und Ingenieurbüro Wünsche + Langer Partnerschaft mbH.

Bauherrin ist die Stadt Görlitz, die hinsichtlich der Vorbereitung des Betriebs von ihrem Tochterunternehmen, der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH, unterstützt wird. Das städtische Unternehmen begleitet bereits seit 2020 die Planung aus der Perspektive eines potenziellen künftigen Betreibers und wird dabei vom langjährigen Leiter des Kurhauses Wiesbaden, Henning Wossidlo, unterstützt. Er war ab 2018 auch Projektleiter für das neue RheinMain CongressCenter (RMCC) in der hessischen Landeshauptstadt. Wiesbaden ist seit 1990 eine Partnerstadt von Görlitz.

 

Pressemitteilung der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH vom 9. März 2026