zurück zur Übersicht

„Brückenbauer und Vorbild“: Joachim Gauck mit dem Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec ausgezeichnet

„Brückenbauer und Vorbild“: Joachim Gauck mit dem Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec ausgezeichnet

vom 05.02.2026

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck erhielt am 4. Februar 2026 im Kulturforum Görlitzer Synagoge den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2025.

Joachim Gauck steht wie kaum eine andere Persönlichkeit für den Einsatz für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung. Als Bürgerrechtler in der DDR, später als erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und schließlich als elfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland prägte er über Jahrzehnte den öffentlichen Diskurs. Sein Leben und Wirken sind eng verbunden mit der deutschen Zeitgeschichte und dem unermüdlichen Appell an Freiheit, Mut und Verantwortung.

Die Laudatio hielt Jan Tombiński, Geschäftsträger a. i. der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland. Er würdigte Joachim Gauck als einen konsequenten „Brückenbauer“ zwischen Nationen, Generationen und historischen Erfahrungen. In seiner Laudatio hob er Gaucks Rolle als Bürgerrechtler, Aufarbeiter der DDR-Vergangenheit und moralische Stimme Europas hervor, der Freiheit, Wahrheit und Verantwortung stets über Bequemlichkeit gestellt habe. „Joachim Gauck hat nicht weggeschaut, sondern nahm sich einer der schwierigsten Aufgaben an: der Konfrontation mit den Schattenseiten der DDR-Vergangenheit“, so Jan Tombiński. Gaucks Wirken stehe beispielhaft für Versöhnung ohne Vergessen, für eine wehrhafte Demokratie und für die besondere Bedeutung der deutsch-polnischen Beziehungen im vereinten Europa. Gerade in Zeiten neuer Bedrohungen habe Gauck früh und mutig unbequeme Wahrheiten ausgesprochen – etwa mit Blick auf Russland und die Verteidigung europäischer Werte.

Für Ministerpräsident Michael Kretschmer ist Joachim Gauck dank seiner Haltung und Voraussicht in politischen und gesellschaftlichen Themen ein Brückenbauer und Vorbild. Seine wichtige Rolle in der deutsch-polnischen Verständigung werde durch die Auszeichnung mit dem Internationalen Brückepreis der Städte Görlitz und Zgorzelec gewürdigt.

Oberbürgermeister Octavian Ursu würdigte in seiner Rede, dass Joachim Gauck mehr als acht Jahrzehnte deutsch-deutsche Geschichte miterlebt und mitgestaltet hat: als Pastor in Rostock-Evershagen, als Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen, als anerkannter elfter Bundespräsident des wiedervereinigten Deutschlands. Vor allem aber als Mensch, der in emotionalen Reden deutliche Worte wählt und klare Standpunkte vertritt, aber dennoch das Verbindende sucht. „Sie wissen, was es bedeutet, ohne Freiheit zu leben. Sie ist deswegen für Sie die Grundbedingung demokratischen Lebens und eine Haltung, die von jeder Generation und einer aktiven Bürgergesellschaft immer wieder neu errungen und gestaltet werden muss.“

Prof. Dr. Willi Xylander, Präsident der Brückepreisgesellschaft, betonte in seiner Rede die orientierende Rolle Joachim Gaucks in einer zunehmend fragmentierten und verunsicherten Welt. In Zeiten von Kriegen, Klimakrise, Rechtsunsicherheit und politischer Polarisierung brauche es Persönlichkeiten, die durch Glaubwürdigkeit, Lebensleistung und moralische Klarheit verbindende Werte sichtbar machten. Gauck verkörpere genau diese Art von vertrauensstiftender Autorität, die über nationale Grenzen hinweg Orientierung gebe und Menschen zusammenführe. „In einer solchen Zeit brauchen wir gemeinsame, allgemeingültige Werte und Normen, aber auch Vertreter, die diese klar, unmissverständlich und wirkmächtig artikulieren“, so Prof. Dr. Xylander.

 

Über den Brückepreis

Der Internationale Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec ist eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, Institutionen oder Initiativen, die sich in besonderer Weise um Verständigung, Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Nationen – insbesondere zwischen Deutschland und Polen – verdient gemacht haben. Der Preis wird seit 1993 vergeben und von der Brückepreisgesellschaft der Europastadt Görlitz/Zgorzelec verliehen, einem binational getragenen Zusammenschluss aus kommunalen Repräsentanten, Kirchen, Wissenschaft und engagierten Bürgerinnen und Bürgern beiderseits der Neiße. Ausgezeichnet werden Menschen, die durch ihr Wirken Brücken bauen – politisch, gesellschaftlich, kulturell oder moralisch – und damit das europäische Miteinander stärken.