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Unterzeichnung "Letter of Intent" für das Projekt "Klimaneutrale Fernwärme für die Europastadt"

Unterzeichnung "Letter of Intent" für das Projekt "Klimaneutrale Fernwärme für die Europastadt"

vom 09.07.2020

Am 9. Juli haben Oberbürgermeister Octavian Ursu und der Bürgermeister von Zgorzelec, Rafał Gronicz, in Anwesenheit der Sächsischen Staatsminister Wolfram Günther (Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft) und Thomas Schmidt (Staatsminister für Regionalentwicklung), einen „Letter of Intent“ für das Projekt „Klimaneutrale Fernwärme für die Europastadt“ unterschrieben.

Ende 2019 stellte die Europäische Kommission ihren „European Green Deal“ vor. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2050. Ein Ziel, dass die Europastadt Görlitz/Zgorzelec im Herzen Europas, an der deutsch-polnischen Grenze, mit Fakten untermauern will. Beide Bürgermeister unterzeichneten heute hierzu einen LoI. Es geht um die Verbindung der Fernwärmenetze von Görlitz und Zgorzelec und der gemeinsamen Versorgung der Europastadt mit klimaneutraler Fernwärme – Umsetzung bis Ende 2030. Die Wertigkeit für dieses Großprojekt untermauerten die Sächsischen Staatsminister Wolfram Günther (Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft) und Thomas Schmidt (Staatsminister für Regionalentwicklung) mit ihrer Anwesenheit. Die Vision der Europastadt findet somit bereits Unterstützung auf Landesebene. 

Staatsminister Wolfram Günther: „Das Ziel von Görlitz und Zgorzelec, ihre Bürgerinnen und Bürger bis Ende 2030 mit klimaneutraler Fernwärme zu versorgen, ist in mehrfacher Hinsicht vorbildlich und wegweisend. Die Europastadt macht deutlich, dass auch Kommunen ihren Weg hin zu einer CO2-freien Energieversorgung gehen und damit einen substanziellen Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz leisten können. Außerdem zeigt sie, dass Klimaschutz nicht an Grenzen gebunden sein sollte und sein muss. Und drittens berührt sie mit der Wärmeversorgung einen Sektor, der Aufmerksamkeit und Investitionen verdient. Ganz zu schweigen, dass Zgorzelec und Görlitz mit dem Schritt der gemeinsamen Fernwärmeversorgung auch eine gemeinsame Infrastruktur teilen werden. Mehr Europa geht kaum. Ich wünsche den beiden Städten und den Versorgungsunternehmen viel Erfolg auf
diesem Weg.“

Staatsminister Thomas Schmidt: „Die Unterzeichnung der Absichtserklärung über die Zusammenarbeit für eine klimaneutrale Wärmeversorgung der Einwohner in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec ist ein Schritt in die postfossile Zeit und in ein klimaneutrales Europa! Die Europastadt liegt im Zentrum des historischen Kohle- und Industriegürtels von Zwickau bis Kattowitz und steht mit dem Kohleausstieg vor umfangreichen Veränderungen. Da ist es beispielhaft, dass Görlitz und Zgorzelec gemeinsam Lösungsansätze für diese Herausforderung auf beiden Seiten der Neiße im Herzen Europas entwickeln.
Mit dieser Kooperation verbinde ich die Hoffnung, dass die Generationenaufgabe ‚Strukturwandel‘ und das Gelingen der europäischen Energiewende auch im europäischen Verbund gemeinsam erfolgreich gestaltet werden kann.“


Bereits im Jahr 1998 erklärten sich die Städte Görlitz und Zgorzelec zur Europastadt, um die enge, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen beiden Kommunen zum beiderseitigen Vorteil zu intensivieren. Internationales Miteinander in allen Bereichen bildet seitdem die Basis für die gemeinsame Weiterentwicklung der Europastadt, welche mehr als 87.000 Einwohnern und eine Gebietsgröße von rund 100 km² beinhaltet. Mit der Verbindung ihrer Fernwärmenetze auf beiden Seiten der Neiße würde die Europastadt auf die nächste Ebene gelangen: das Teilen einer gemeinsamen Infrastruktur.

Die Vereinigung der beiden Wärmenetze ist keine ganz neue Idee. Bereits im Jahr 2003 wurde dies in einer Studie als Hebel für eine effizientere Bewirtschaftung beider Netze erkannt und empfohlen. Damals scheiterte das Projekt, weil eine kohlebasierte Fernwärmeerzeugung für die deutsche Seite
ausgeschlossen war. Heute, 17 Jahre später, muss die ZPEC, der Fernwärmeversorger der Stadt Zgorzelec, ihre Anlagen erneuern und ihre 40 Jahre alten Kohlekessel außer Betrieb nehmen. Somit spricht aus deutscher Sicht nichts mehr gegen den Fernwärmeverbund. Im Gegenteil: „Wir wollen mit
gutem Beispiel vorangehen und zeigen wie europäisches Miteinander und Umweltschutz gelingen kann. Hierfür haben wir ein gemeinsames Konzept bis 2030 entwickelt, mit dem wir schrittweise alle Fernwärmeanlagen von Görlitz und Zgorzelec auf erneuerbare Energien umstellen werden. Für unser
Vorhaben zur Klimaneutralität bis 2030 ist das eines der wichtigsten Bausteine“, erklärt der Oberbürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu.
Rafał Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec, ist vom Projekt überzeugt: „Ich sehe große Vorteile in diesem gemeinsamen Vorgehen. In einer Doppelstadt dieser Größe macht es Sinn auch Infrastrukturen zu teilen. Dadurch können wir uns Investitions- und Betriebskosten teilen, Netze und Anlagen besser
auslasten und in Summe wirtschaftlicher agieren, was zum Vorteil für die Einwohner der Europastadt ist“.


Neben der erheblichen Effizienz-Steigerung kann der CO2-Austoß beider Städte erheblich reduziert werden: Erste Schätzungen gehen von einer Einsparung von rund 57 000 Tonnen jährlich aus. Ein klarer Punkt für die Verbesserung der Lebensqualität in der Europastadt. Als maßgeblicher Partner für die Umsetzung dieser Vision ist der hiesige Energiedienstleister, die Stadtwerke Görlitz AG (SWG), mit im Boot. Für die SWG sind die polnischen Nachbarn bereits alte Bekannte. „Wir pflegen seit Jahren eine gute Beziehung zu den polnischen Kollegen in Zgorzelec. Bisher ging es vor allem um einen fachlichen Austausch über Wasser- und Energiethemen. Nun wollen wir enger zusammenarbeiten und haben hierfür eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der SWG und der ZPEC, die Wärmeversorgungsgesellschaft aus Zgorzelec, gegründet. Gemeinsam wird man das Fernwärmekonzept bis 2030 für die Europastadt entwickeln“, erklärt Matthias Block, der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Görlitz AG.

 

Umstellung in Teilschritten

Phase eins bis 2022

Im ersten Schritt erfolgt die Modernisierung der Wärmeerzeugungsanlage in Zgorzelec/Grozowa – mit dem maßgeblichen Ziel die Emissionswerte schnell zu reduzieren, um EU-Vorgaben einhalten zu können. Hierzu wird die Leistung der alten Kohlekessel reduziert und durch neue ErdgasBlockheizkraftwerke teilweise ersetzt. Begleitend zu den Maßnahmen in Polen wird eine Machbarkeitsstudie zu dem geplanten Fernwärmeverbund erstellt sowie die notwendige Fördermittelakquise auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene forciert. Die Überarbeitung der Erzeugungsstrategie für die Fernwärme-Standorte in Görlitz soll ebenfalls in Phase eins erfolgen.

Phase zwei ab 2023 bis 2030

In der zweiten Projektphase ist der Bau der 2,5 kilometerlangen Verbindungsleitung zwischen den Versorgungsgebieten Zgorzelec und Görlitz-Königshufen sowie die komplette Umstellung vom Heizwerk in Zgorzelec auf Biomasse geplant. Die bestehenden Kohlekessel in Groszowa-Zgorzelec
würden gänzlich vom Netz genommen werden. In der Endausbaustufe soll das Wärmenetz Königshufen den überwiegenden Teil seines Wärmebedarfs aus Zgorzelec beziehen. Da die Verbindungsleitung über das Gelände der Görlitzer Kläranlage läuft, werden hier Wärmepotentiale ins Netz direkt eingebunden. Es handelt sich beispielsweise um die Nutzung der Abwärme aus dem Abwasser oder die Einbindung von Solarthermie.
Auch die Umstellung der weiteren Fernwärmegebiete in Görlitz auf erneuerbare Energien soll in diesem Zeitraum erfolgen. Die Fernwärmeerzeugung erfolgt somit 2030 in beiden Städten komplett klimaneutral. „Gemeinsam mit unseren Partnern der Stadt Zgorzelec, der SWG und der ZPEC möchten wir noch in diesem Jahr ein belastbares Konzept sowie eine technische und organisatorische Machbarkeitsstudie erarbeiten“ erklärt der Oberbürgermeister und ergänzt „Zudem muss dieses Großprojekt auf eine höhere Ebene gehen. Deshalb bin ich auch sehr dankbar, dass Herr Günther und Herr Schmidt heute anwesend sind und uns bei der Fördermittelgebersuche auf regionaler, nationaler sowie auch europäischer Ebene unterstützen.“

Abschließend sind sich alle an dem Tisch einig: Die Umsetzung einer solchen Vision hat einen starken politischen Symbolcharakter für die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen, und somit eine hohe Vorbildfunktion aus Sicht des Umweltschutzes als auch der europäischen
Zusammenarbeit. Zudem steht das Großprojekt für eine innovative Zukunftsentwicklung im Rahmen des Strukturwandels unserer Region. Ein erster wichtiger Schritt, die Unterzeichnung des Letter of Intent, ist damit heute getan.

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