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Große Anerkennung für Arbeit des Görlitzer Kulturhistorischen Museums

Große Anerkennung für Arbeit des Görlitzer Kulturhistorischen Museums

vom 21.11.2017

Das Kulturhistorische Museum Görlitz wurde bei der diesjährigen Verleihung des 5. Sächsischen Museumspreises am 13. November 2017 mit einem Spezialpreis für besondere Leistungen des Museums für die Gesellschaft vor Ort geehrt.

Die Jury würdigte damit die beispielhafte sammlungsbezogene Erschließung, Dokumentation, Forschung sowie die lebendige und aktuelle Vermittlungsarbeit der größten städtischen Kultureinrichtung. Bürgermeister Dr. Michael Wieler und Museumsleiter Dr. Jasper v. Richthofen nahmen den Preis aus den Händen der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange in Dresden entgegen.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. „Wir freuen uns sehr über die Anerkennung unserer Arbeit und die entgegengebrachte Wertschätzung. Das Preisgeld wollen wir nutzen, um in Kombination mit weiteren Fördermitteln Schritt für Schritt ein Audio-Guide-System zu installieren.“, kündigte der Museumsleiter an.

In seiner Laudatio hob Dr. Igor Jenzen, Direktor des Museum für Sächsische Volkskunst, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, die Anforderungen und Aufgaben, die heute an ein Museum gestellt werden heraus: „In etwas kleineren Orte ist das Museum eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Anlaufstelle für das kulturelle Leben der Einwohner und der Gäste darstellt. Dann nämlich fällt dem Museum eine besonders hohe Verantwortung zu: Es muss den Einwohnern die Welt nach Hause bringen, Horizonte öffnen, sie Anteil haben lassen an den kulturell relevanten Themen und den wichtigen Kunstwerken der Zeit, muss ihren Wissensdurst und ihre Schaulust befriedigen und den intellektuellen Austausch befördern, und das auf möglichst hohem reflektiertem Niveau. Gleichzeitig soll und muss das Museum aber auch den Touristen die Stadt vorstellen, ihre Geschichte, ihre Besonderheiten und die Strukturen der Region. Am besten soll es darüber hinaus auch noch mit Aufsehen-erregenden Ausstellungen Gäste anlocken, die das Leben in der Stadt, den Handel und die Gastronomie bereichern.“ Daneben gelte es die täglichen Aufgaben den ICOM-Richtlinien zu erfüllen: Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln, heutigentags dazu  auch noch die Digitalisierung und die Provenienzrecherche vorantreiben.
Dazu Igor Jenzen weiter:  „Wir ehren heute ein Museum, das alles richtig macht, und das auf eine bewundernswert unaufgeregte Weise. Und: damit Sie die Liste der Leistungen auch richtig zu würdigen wissen, sage ich Ihnen vorweg, dass der Personalplan dieses Museums gerade einmal 8 Stellen umfasst: 3 Wissenschaftlerstellen, 1 Stelle für Depotverwaltung, 1 für Museumspädagogik, 1 für das Marketing, 1 für Verwaltungsaufgaben und eine für die Technik. Das nenne ich eine schlanke und effektive Aufgabenverteilung mit einem klaren Schwerpunkt auf der Produktion und Vermittlung von Inhalten. Mit diesem - gelegentlich durch Projekt-Mitarbeiter ergänzten - Team bespielt das Museum die Sparten Archäologie, Stadtgeschichte, Wissenschafts- sowie Kunst- und Kulturgeschichte; ein Universalmuseum also. ... Nun wissen wir, um welche ehrwürdige Einrichtung es geht. Und wir haben sofort eine Vorstellung von der in der Tat hohen Bedeutung des Museums für die Bewohner dieser Grenzregion ganz im Osten Deutschlands. Hier geht es um Kommunikation, um Identität und Identitäten, es geht um kulturelle Infrastruktur und Lebensqualität und es geht um den Tourismus, der das Land belebt. Nach langen Jahrzehnten des Wirkens im Verborgenen hat der Entschluss der Landesregierung von 2006, dort in Görlitz die Landesausstellung „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ 2011 zu veranstalten, den Startschuss für eine gründliche Sanierung der Gebäude und eine grundsätzliche Aufwertung der kulturellen Infrastruktur gelegt.“ Mit Geschicklichkeit und Pragmatismus ist es dem Kulturhistorischen Museum Görlitz gelungen, die Gebäude und die Ausstellungsbauten, aber auch den Schwung des Ereignisses und den Erkenntniszuwachs des Projektes nachzunutzen. Mit den vorhandenen Ressourcen wurde im Kaisertrutz eine schlüssige, wissenschaftlich wie gestalterisch überzeugende Schau zur Geschichte der Region erarbeitet.

Auch das Barockhaus in der Neißstraße konnte vom Schwung der Landesausstellung profitieren und zeigt weit über ein übliches Stilzimmer-Museum hinaus einen authentischen Einblick in die gehobene Wohnkultur eines wohlhabenden Handelshauses des 18. und 19. Jahrhunderts und eine Geschichte der Aneignung und Verbreitung von Wissen durch die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. Neben dem Haupthaus und dem sogenannten Biblischen Haus mit dem Sitz der Verwaltung konnte in einem angrenzenden Gebäude zwischen 2011 und 2013 ein modern ausgestattetes Depot eingerichtet und damit der Gebäudekomplex des Museums bis zum Nachbarn im Geiste, dem Haus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften geschlossen werden. Das Kulturhistorische Museum erfüllt obendrein musterhaft die Anforderungen nach einer konservatorisch angemessenen Bewahrung der Sammlungen; der Sammlungen, für die es ein differenziertes, logisch nachvollziehbares Erwerbungskonzept für alle Bereiche gibt. Löblich ist ebenso, dass von 500.000 Objekten bereits fast 10 Prozent digital erfasst sind. Und ebenso großartig ist, dass das Kulturhistorische Museum Görlitz seit 2016 mit Unterstützung der Landesstelle für Museumswesen ein Projekt zur Provenienzforschung betreibt. Unter der Rubrik Forschung sind aber weitere Aktivitäten zu verzeichnen: Die drei Wissenschaftler des Hauses bringen es in den Bereichen Vor- und Frühgeschichte, Stadtgeschichte, Kunst und Kulturgeschichte auf 18 Publikationen in den letzten beiden Jahren und ebenso viele Vorträge. Tatsächlich leistet man sich sogar eine jährlich erscheinende Zeitschrift „Görlitzer Magazin“. Das ist bemerkenswert! Wir halten also fest, das Kulturhistorische Museum erfüllt in beispielhafter Weise die Standards moderner Museen inklusive der modernen Erweiterungen um Digitalisierung und Provenienzforschung. Das hat unsere Anerkennung  ganz und gar verdient.

Aber unser oben aufgeführter Forderungskatalog war ja umfangreicher. Was macht das Museum für die Görlitzer und ihre Nachbarn? Kann es das kulturelle Zentrum sein, das die Diskussion belebt? Das Ausstellungsprogramm der letzten beiden Jahre beinhaltete „Den Berliner Skulpturenfund“, der die Görlitzer an diesem spektakulären Fund von „Entarteter Skulpturen-Kunst teilhaben ließ. 2016 zeigte die Ausstellung „Durchdrungen“ aktuelle Kunst aus der Region und danach die Schau „Blickfang Görlitz – Stadtansichten aus 450 Jahren“, ein historisches Thema also. 2016/17 folgte die Ausstellung „Erfahrung DDR!“, für die das Museum die Einwohner der Region aufgerufen hatte, Gegenstände aus DDR-Zeiten einzuliefern, mit denen sich besondere, selbst erlebte Geschichten verbinden. In der entstandenen Ausstellung löste sich die abstrakte und von der Geschichtsschreibung sozusagen entfremdete Geschichte der DDR in viele individuelle Geschichte auf. Das ergab reichlich Stoff, die erlebten Zeiten in ihren Alltagsauswirkungen Revue passieren zu lassen. Führungen und Diskussionsrunden vertieften dieses partizipatorische Experiment, das ganz sicher auch solche Menschen ins Museum geführt hat, die sonst den Weg dorthin nicht finden. Auch die darauf gefolgte Ausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillionen“ betraf die Bewohner von Görlitz unmittelbar selbst.

Wir dürfen also festhalten: Das Kulturhistorische Museum holt bedeutende Ausstellungen in die Region und regt die Bewohner selbst an, sich aktiv am aktuellen Diskurs zu beteiligen. Dies alles wird mit einem umfangreichen, vielfältigen und kreativen museumspädagogischen Angebot begleitet. Es versteht sich ja angesichts der hohen Qualität dieses Museums fast von selbst. … Meinen herzlichen Glückwunsch!“

 

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