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Blickfang Görlitz. Bilder meiner Stadt

Blickfang Görlitz. Bilder meiner Stadt

vom 28.04.2016

30. April bis 23. Oktober 2016 - Sonderausstellung im Kaisertrutz, Vernissage: 29. April, 19:00 Uhr

Zum Sammlungsbestand des Kulturhistorischen Museums gehören Ansichten der Stadt Görlitz aus mehr als vier Jahrhunderten. Wie und warum wurde Görlitz in den verschiedenen Epochen dargestellt? Wie haben diese Ansichten das Image der Stadt geprägt und wer schuf die „Bilder meiner Stadt“? Mit diesen Fragen haben sich auch die Mitarbeiter des Kulturhistorischen Museums im Vorfeld der Ausstellung intensiv beschäftigt und bieten Besuchern Antworten in der Ausstellung.
Kurator Matthias Franke hat rund 300 Exponate überwiegend aus dem Sammlungsbestand des Museums ausgewählt, die eine umfassende und vielschichtige Sicht auf die Stadt ermöglichen. Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotos, Pläne, Postkarten und Souvenirs mit Abbildern von Görlitz. Der Rundgang durch die Ausstellung gleicht einem Spaziergang durch die Bild-Geschichte der Stadt, die in fünf Bereichen dargestellt wird:

Der verklärte Blick
Heute wird meist mit Ansichten der Görlitzer Altstadt für die Stadt geworben. Die Motive sollen Emotionen wecken sowie Romantik und Gemütlichkeit vermitteln. Die Stadt wirkt wie ein von der Moderne scheinbar noch unberührter Sehnsuchtsort. Der Kontrast zwischen diesen idyllischen Ansichten und der hektischen Gegenwart trat bei der Görlitz-Werbung auf Großplakaten an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, wie dem Berliner Alexanderplatz, besonders deutlich zu Tage. Die Geschichte dieses verklärten Blicks auf Görlitz reicht mehr als einhundert Jahre zurück, als in den ersten Reiseführern das Image der „schönen alten Stadt“ gepriesen wurde. Idealisierte Vorstellungen vom historischen Aussehen des Görlitzer Stadtbildes fanden ihren Niederschlag ebenso in den Sanierungskonzepten für die Altstadt. Der Blick auf Görlitz vermittelte aber stets auch Visionen, beispielsweise als sich nach 1990 das deutsche Görlitz und das polnische Zgorzelec als Europastadt anzunähern begannen.

Überblicken
Vor 450 Jahren entstand die erste Ansicht von Görlitz – ein monumentaler Holzschnitt zeigt das Panorama der Stadt aus Richtung Osten. Wie viele nachfolgende Werke war es ein politisches Bild, das einen möglichst vorteilhaften Eindruck von der Stadt erzeugen sollte. Vom 16. bis 18. Jahrhundert wird Görlitz meist mit den Attributen des überregional bedeutsamen Handelsplatzes dargestellt, während des 19. Jahrhunderts dann zunehmend als wachsender Industriestandort mit rauchenden Schornsteinen. Im Laufe der Zeit hielten Künstler die Stadt aus allen Himmelsrichtungen fest. Wichtig waren auch Darstellungen aus der Vogelperspektive. Bevor der Mensch das Fliegen lernte, blieben sie fiktionale Bilder, die einen geordneten Stadtraum suggerierten. In der Moderne wurden Luftbildaufnahmen dann zu Instrumenten der Stadtplanung, aber auch der Kriegsführung. Stadtpläne knüpfen an diese Darstellungsarten an und spiegeln gleichzeitig politische Umbrüche und wechselnde Sichtweisen auf Görlitz wider.

Kennerblicke
Zahlreiche Künstler widmeten einen Teil ihres Schaffens den Görlitzer Stadtansichten. Den Anfang markiert Johann Gottfried Schultz, der im 18. Jahrhundert historische Baudenkmäler dokumentierte. Sein Zeitgenosse Christoph Nathe brachte die Stadtansicht künstlerisch zu höchster Blüte und gilt als Wegbereiter der Romantik. Die Lithografien von Gustav Kadersch aus den 1830er Jahren sind frühe Souvenirs der Stadt. Um 1900 führte der Zeichenlehrer Wilhelm Kahl diese Tradition fort. Bastionen, Türme und andere Gebäude, die im Zuge der Stadterweiterung abgebrochen wurden, hielten Ewald Schulz und Johann Friedrich Thieme in ihren Grafiken fest. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert dokumentierte der Fotograf Robert Scholz das Wachsen der modernen Stadt. Später waren es Alfred Jäschke und Walter Wolff, die die Stadt fotografisch für Reiseführer und Postkartenverlage festhielten. Im 20. Jahrhundert entdeckten Otto Engelhardt-Kyffhäuser, Edmund Bautz, Günter Hain und nach 1990 vor allem Siegbert Jatzko Motive aus der Görlitzer Altstadt immer wieder neu.
In diesem bereichDas Kulturhistorische Museum würdigt in der Ausstellung den Görlitzer Zeichner, Karikaturisten und Maler Günter Hain, der am 25. Februar 100 Jahre alt geworden wäre, in besonderer Weise. Eine Präsentationsfläche in diesem Bereich ist ausschließlich mit Aquarellen und Zeichnungen von ihm bestückt.

Blickfänger
Ein Ort ist an seinen Wahrzeichen erkennbar. Für die Einwohner stiften sie Identität, dienen aber auch der touristischen Werbung. Das herausragende Wahrzeichen von Görlitz ist zweifelsohne die Peterskirche. Als höchstes Gebäude der Altstadt prägt sie die markante Silhouette wie eine Stadtkrone. Meist wurde die Peterskirche vom Ufer der Neiße aus dargestellt und das in einer ununterbrochenen Tradition seit mehr als vier Jahrhunderten. Die Künstler reizten dabei insbesondere die geometrischen Formen des Bauwerks im Wechselspiel von Licht und Schatten. Andere Görlitzer Wahrzeichen standen dagegen nur für eine bestimmte Zeit im Blickpunkt, da die Themen, mit denen sie verbunden wurden, an Bedeutung verloren. Beispielsweise galt der Eisenbahnviadukt als Sinnbild für die Industrialisierung und die Oberlausitzer Gedenkhalle (heute Dom Kultury) als Denkmal der Kaisertreue. Neben den genannten Wahrzeichen zeichnen sich auch das Heilige Grab, der Kaisertrutz und die Landeskrone durch ihr einzigartiges Erscheinungsbild aus.

Blickwechsel
Immer wieder verarbeiteten Künstler auch Katastrophen wie Stadtbrände, Belagerungen und Überschwemmungen in Bildern. So zeigen Fotos von Robert Scholz das Neißehochwasser 1897, Paul Seifert verewigte 1945 die gesprengte Görlitzer Altstadtbrücke und die zerstörten Häuser am Jüdenring in Zeichnungen. Diese Darstellungen waren Teil von Berichterstattungen, sollten aber ebenso die Erinnerung an dunkle Stunden der Görlitzer Stadtgeschichte bewahren. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Wachsen der Stadt von Bildchronisten begleitet. Sie zeichneten und fotografierten, wie alte Gebäude durch Neubauten ersetzt wurden und völlig neue Quartiere in kurzer Zeit „auf der grünen Wiese“ entstanden. Dabei propagierten sie mehr oder weniger vordergründig ein Bild des Fortschritts und der Modernisierung. In dieser Zeit wurden Stadtansichten erstmals auch zum Verzieren von Souvenirs genutzt, deren Käufer ihre Heimatverbundenheit zeigten oder damit ihre Reisen dokumentierten.

Begleitend zur Ausstellung bietet das Kulturhistorische Museum im Kaisertrutz ein umfangreiches Begleitprogramm an.

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