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Ein Puppenhaus zum Staunen im Barockhaus

Ein Puppenhaus zum Staunen im Barockhaus

vom 23.11.2015

Bis Ende Februar 2016 zeigt das Kulturhistorische Museum im Barockhaus Neißstraße 30 ein 1,60 x 2,00 m großes Puppenhaus. Das Miniaturwohnhaus im Maßstab 1:15 ist eine Leihgabe aus einem Nachlass und in dieser Form erstmals öffentlich zu sehen. Claus-Peter Kurt-Franken hatte das Haus in seiner Görlitzer Wohnung aufgebaut.

Gut zehn Jahre hat der Ruheständler daran gearbeitet, um das gründerzeitliche Wohn- und Geschäftshaus Schritt für Schritt mit Leben zu erfüllen. Das unterkellerte Puppenhaus mit angegliedertem Markt und Garten verfügt über 22 Räume, in denen mit großer Liebe zum Detail verschiedene Alltagssituationen inszeniert wurden. Möbel und Einrichtungsgegenstände, Bilder und Accessoires wurden in Handarbeit gefertigt, sogar eine Beleuchtung installiert. Nur die Bewohner des Hauses, etwa 100 Püppchen, wurden käuflich erworben.
Herzenswunsch des inzwischen verstorbenen Bauherrn war es, dass sich möglichst viele Menschen an seinem Werk erfreuen sollten. Sein Sohn hat dem Museum das Puppenhaus als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Möge die Hoffnung von Herrn Kurt-Franken in Erfüllung gehen!

Puppenhaus Barockhaus

Werfen Sie einen Blick auf das Puppenhaus: In der Backstube im Keller des Hauses wird fleißig gearbeitet. Während der Bäcker den Teig knetet und formt, räumt der Geselle den Backofen aus. Die nächsten Brote und Brötchen stehen schon bereit und warten darauf, in den heißen Backofen geschoben zu werden. Die fertigen Backwaren landen in der darüber liegenden Bäckerei, wo eine freundlich wirkende ältere Frau die Kundschaft bedient. Vielleicht ist es ihre Tochter, die das Café ein Stockwerk höher betreibt, das neben Kaffee, Milch und Schokolade auch Leckereien aus der Familienbäckerei oder -konditorei anbietet.
Im Erdgeschoss des Hauses beispielsweise ein „Tante-Emma-Laden“. Heute sind diese kleinen privat geführten Lebensmittellädchen nahezu völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Nur ältere Bürger können sich noch an sie erinnern. Hinter dem Verkaufstresen stand die Bedienung und brachte dem Kunden die gewünschten Waren – Getränke, Kaffee, Mehl und Obst aus Kisten, Zeitschriften und Waschmittel. Sogar der Sohn der Ladeninhaberin muss aushelfen, um die beiden Damen mit Körbchen und Einkaufsnetz bewaffnet, zu bedienen. Tante-Emma-Läden dienten nicht nur dem Konsum, sondern auch dem Klatsch und Tratsch und dem Verbreiten wichtiger Nachrichten.
Auf den ersten Blick wirkt „die gute Stube“ einer Familie im zweiten Obergeschoss etwas düster. Mutter und Vater sitzen am nachmittäglichen Kaffeetisch, auf dem sich eine gehäkelte Tischdecke befindet und der mit dem „gutem“ Porzellanservice gedeckt ist. Zwischen den Erwachsenen ist keine Unterhaltung im Gange, vielmehr studiert der Ehemann eindringlich eine Zeitschrift. Der Familienhund wohnt dem Geschehen bei. Eines der vier Kinder beschäftigt sich am Schreibtisch an der Wand mit seinen Hausaufgaben, halbwegs unter der Aufsicht seiner Eltern. Zwei kleinere Kinder spielen im Alkoven. Der große grüne Kachelofen im Raum scheint behagliche Wärme auszustrahlen an diesem dunklen Nachmittag.
Zu den vielen geschäftlich genutzten Räumen des Hauses gehört ein Notariat, das sich ebenfalls im zweiten Obergeschoss befindet. Das Büro ist mit zwei Angestellten besetzt. Einer widmet sich gerade einem Kunden über einen Tresen hinweg, der andere Mitarbeiter sitzt am überfüllten Schreibtisch, einen Kaffeepott vor sich. Er hat die Zeit, sich dem Gespräch der beiden anderen Personen zuzuwenden. Sogar seinen Hund hat er mit ins Büro gebracht, einen großen Bernhardiner, der das Geschehen aufmerksam beobachtet.

An diesem Nachmittag ist viel los im Büro des Notars. Eine Dame muss warten, bis sie bedient wird und darf auf einer Bank Platz nehmen. Derweil hat sie ihren Schirm in der Ecke abgestellt. Es kann noch ein bisschen dauern bis sie an der Reihe ist. Aber der Raum wirkt warm und gemütlich. Auf dem Ofen in der Ecke wird eine Kaffeekanne warmgehalten. Der Bücherschrank an der Stirnseite und auch das Wandregal sind voller Aktenordner, Bücher und Unterlagen. Offensichtlich gibt es viele Klienten, die die Dienste des Notars in Anspruch nehmen. Das zeugt auch von der Beliebtheit des Büros.
Dies ist nur ein kleiner Eindruck des Geschehens. Das Kulturhistorische Museum lädt große und kleine Besucher herzlich zum Entdecken ein! Die nächste Gelegenheit bietet der Familiennachmittag am Dienstag, dem 1. Dezember 2015. Ines Haaser und Daniela Schüler präsentieren ab 15:00 Uhr das Puppenhaus, anschließend können die Besucher ihr eigenes Häuschen gestalten, das sich auch als originelle weihnachtliche Verpackung eignet.
Während des Schlesischen Christkindelmarktes vom 4. bis 20. Dezember 2015 gewährt das Museum im Barockhaus Neißstraße 30 Kindern freien und Erwachsenen ermäßigten Eintritt!
Zudem werden die Öffnungszeiten in diesem Zeitraum wie folgt erweitert:
Montag bis Donnerstag und Sonntag 10:00 bis 16:00 Uhr, Freitag und Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr.

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