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"Inge zu Fuß zur Arbeit" - Eine Ausstellung von Markus Draper bis 31. Januar 2016 im Kaisertrutz

"Inge zu Fuß zur Arbeit" - Eine Ausstellung von Markus Draper bis 31. Januar 2016 im Kaisertrutz

vom 28.10.2015

„Inge zu Fuß zur Arbeit“ ist eine sich in mehreren Szenen entfaltende Reflexion über das Alltägliche in der DDR der 1980er Jahre. In der ersten Szene wird eine Videoinstallation mit Aufnahmen eines Backenbrechers gezeigt, einer monströsen Maschine, die zum Zerkleinern von Bauschutt dient. In großformatigen Projektionen erscheint das Mahlwerk als Sinnbild eines autoritären Staates.

Als im Frühsommer 1990 zehn lange gesuchte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) in der DDR verhaftet wurden, war das Erstaunen auf beiden Seiten der zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden deutsch-deutschen Grenze groß. Ausgestattet mit neuen Identitäten, hatte die Staatssicherheit die RAF-Aussteiger in der DDR versteckt. Ihre Wohnorte lagen dabei nicht am Rand der Gesellschaft, sondern in Plattenbauten inmitten von Neubaugebieten in Magdeburg, Schwedt, Senftenberg, Neubrandenburg und Berlin.
Der Berliner Künstler Markus Draper hat dieses Thema in seinem jüngst geschaffenen Zyklus großformatiger Plastiken aufgegriffen. Nach umfangreichen Recherchen hat er die Wohnhäuser, in denen die RAF-Aussteiger verhaftet worden waren, in Modellen nachgebaut. In Metall gegossen, repräsentieren die Modelle alltägliche Schauplätze eines bis heute mit Mythen behafteten Kapitels der jüngeren deutschen Geschichte. Zusammen mit weiteren neu entstandenen Werken Drapers sind sie im Rahmen der Ausstellung „Inge zu Fuß zur Arbeit“, die das Kulturhistorische Museum Görlitz als einen Höhepunkt seiner diesjährigen Ausstellungssaison zeigt, erstmals zu sehen.
„Inge zu Fuß zur Arbeit“ ist eine sich in mehreren Szenen entfaltende Reflexion über das Alltägliche in der DDR der 1980er Jahre. In der ersten Szene wird eine Videoinstallation mit Aufnahmen eines Backenbrechers gezeigt, einer monströsen Maschine, die zum Zerkleinern von Bauschutt dient. In großformatigen Projektionen erscheint das Mahlwerk als Sinnbild eines autoritären Staates und gleichzeitig als eine Visualisierung vom Verarbeiten, „Verdauen“ und „Ausspucken“ von Geschichte.
Im Mittelpunkt der zweiten Szene steht ein Gemäldezyklus, für den Markus Draper die Tagebücher seines Vaters verarbeitet hat. Während der 1980er Jahre hatte dieser fast zehn Jahre seines Lebens in einer einzigartigen, als großformatige Tabelle gestalteten Chronik reflektiert. Als Stadtplaner gehörte es zu seinen Aufgaben, Großwohnsiedlungen aus Plattenbauten der Serie WBS 70 am Görlitzer Stadtrand zu planen. Weitgehend hilflos musste der Architekt den Verfall der historischen Bausubstanz in der Altstadt und den Gründerzeitquartieren von Görlitz erleben.

In einer weiteren Szene zeigt Markus Draper einen Gemäldezyklus, zu dem ihn Setfotografien der vor einigen Jahren u.a. in Görlitz entstandenen Verfilmung des Romans „Der Turm“ von Uwe Tellkamp inspirierten. Er ist ein Ausgangspunkt, um über die Schwierigkeit von vermeintlich realistischen Geschichtsdarstellungen zu diskutieren.

Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 25jährigen Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, auf das sie bewusst mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst reagiert. Sie wird von namhaften Stiftungen und Geldgebern unterstützt, unter anderem von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Wüstenrot-Stiftung, der Hypo-Kulturstiftung außerdem von der Stadtwerke Görlitz AG, der KommWohnen Görlitz GmbH, der INFOTECH GmbH Görlitz sowie dem Architekturbüro Christian Weise, Görlitz.

Begleitend zur Ausstellung erscheint Ende des Jahres ein Buch im Leipziger Verlag Spector Books. Es enthält unter anderem ein ausführliches Interview mit dem RAF-Aussteiger Ralf Baptist Friedrich über sein Leben in Schwedt in den Jahren 1980 bis 1990.


Darüber hinaus wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Podiumsgesprächen, Lesungen, museumspädagogischen Angeboten, Filmvorführungen und thematischen Führungen angeboten:


1. Dezember 2015, 15:00 Uhr    
Familiennachmittag „Geschaut und gestaltet“
Zeitgenössischer Advent mit Daniela Schüler

10. Januar 2016, 15:00 Uhr
Kuratorenführung

13. Januar 2016, 18:00 Uhr        
Podiumsgespräch „Wohnungsbau und Ideologie. Stadträume der späten DDR (und heute?)“
mit Prof. Dr. Ingrid Scheurmann (TU Dortmund) und Arne Myckert (KommWohnen Görlitz)

31. Januar 2016, 18:00 Uhr        
Podiumsgespräch und Lesung „Reflexionen von Geschichte“
Uwe Tellkamp liest aus seinem Roman „Der Turm“
Weitere Informationen – siehe www.inge-zu-fuss-zur-arbeit.de

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