Welterbebewerbung

Der Weg zum Welterbetitel

Projekt Welterbe für Görlitz

Ausgangspunkt

Die UNESCO (Vereinte Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) verleiht in regelmäßiger Folge jährlich den Status eines Weltkulturerbes an herausragende Orte und Kulturstätten. Es ist die offizielle Bestätigung für die Stätte, über nationale Grenzen hinweg den unschätzbaren und unersetzlichen Gütern der gesamten Menschheit anzugehören. Damit ist eine wohl nicht zu übertreffende Schätzung des universellen Wertes der Stätte verbunden.

Wer ist in Deutschland für die Nominierung der Welterbestätten zuständig?

Die 16 Bundesländer.
Jede Bewerbung wird von Experten der zuständigen Kultusministerien auf ihre "Einzigartigkeit" und "Universalität" hin geprüft. Die Kultusministerkonferenz aller Bundesländer (KMK) entscheidet, welche Bewerbungen auf die deutsche Tentativliste gesetzt werden.  Mit der Aufnahme in die Tentativliste erfüllen die Welterbekandidaten die Voraussetzungen gemäß der UNESCO-Welterbekonvention, um die Aufnahme in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt  beantragen zu können (Nominierung). Welche Welterbestätte in welchem Jahr ihren Antrag bei der UNESCO einreicht, entscheidet ebenfalls die Kultusministerkonferenz.

2014 entschied die Kultusministerkonferenz (KMK) über die Aufnahme neuer Bewerbungen auf die deutsche  Tentativliste. Sie ließ die Vorschläge der Bundesländer dazu von einer international besetzten Expertenjury evaluieren.

2014 verpasste die Görlitzer Bewerbung den Sprung auf die Tentativliste. Die Kultusministerkonferenz bescheinigte der Stadt Görlitz jedoch, dass die Hallenhäuser das Potenzial besitzen, das zentraleuropäische Handelswesen der frühen Neuzeit darzustellen. Sie empfahl der Stadt Görlitz die Erforschung und Vermittlung dieses Aspektes. 


Was passiert nach der Aufnahme in die Tentativliste?

In allen Bewerbungsschritten gilt es, die Inhalte der Bewerbung stetig weiterzuentwickeln. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei über die "Einzigartigkeit" und die "Universalität" der Kulturstätte hinaus dem Management und der nachweislich dauerhaften Sicherung des Welterbes zu widmen. Diesen Kriterien kommt bei der späteren Einschätzung des Antrags bei der UNESCO eine immer größere Bedeutung zu.

Mit der Aufnahme in die Tentativliste muss sich der Welterbegedanke zu einem dauerhaften Prozess an der Stätte selbst entwickeln, der praktische und alltägliche Fragen ebenso einschließt wie wissenschaftliches Forschen und theoretische Diskurse zur Stätte selbst und weit darüber hinaus.

Diesen künftigen Prozess bereitet die Stadt Görlitz bereits vor. Dafür wird u.a. die Einrichtung eines Kulturerbezentrums geprüft.

 

Wie lange dauert es, bis ein Antrag bewilligt oder abgelehnt ist?

Die Phase der unmittelbaren Nominierung bis zur Aufnahme der Stätte in die Welterbeliste dauert mindestens 18 Monate – von der Beantragung bei der UNESCO im Februar eines jeweils laufenden Jahres bis zur Entscheidung auf der Sitzung des Welterbekomitees im Juni oder Juli des darauf folgenden Jahres.

Im Auftrag des UNESCO-Welterbekomitees bewerten Experten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) und der Weltnaturschutzunion (IUCN) die Anträge. Auf Grundlage ihrer Einschätzungen entscheidet das Welterbekomitee über die Aufnahme in die Welterbeliste.

Die UNESCO entscheidet mit ihrem Welterbekomitee einmal jährlich über die Aufnahme von Stätten in die Liste des weltweiten Kulturerbes. Mit dem Ziel einer internationalen Balance der Eintragungen in die Welterbeliste besteht Übereinstimmung in der Auffassung, jährlich bis zu zwei deutsche Anträge zu berücksichtigen.

 

 

Nächste Schritte

1.

Intensivierung der Forschung  zu den Hallenhäusern als Abdruck und Spiegelbild der funktionalen und repräsentativen Ansprüche des Handels und der Kaufleute.

Die wichtigste Quelle dazu ist das Görlitzer Ratsarchiv, eines der bedeutendsten Stadtarchive Deutschlands mit lückenlosen Dokumenten seit dem 14. Jahrhundert.

  • Erforschung und Veröffentlichung der Geschichte weiterer ca. 60 Görlitzer Hallenhäuser

  • Vertiefung der Bauforschung zu den Hallenhäusern

  • Ziel ist die Zuordnung der einzelnen Bauphasen zu einzelnen Besitzern, ihren Handelsgeschäften und ihren gesellschaftlichen Positionen.

 

2.
Strategische Planung eines erneuten Bewerbungsprozesses um die Aufnahme auf die deutsche Tentativliste

  • Abstimmung mit allen politischen Ebenen (Kommune, Land, Bund)
  • Abstimmung mit Fachleuten, evtl. im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung zur Konkretisierung des Bewerbungsthemas

 

3.
Vermittlung der Forschungsergebnisse durch ständige Ergänzung und Erweiterung der Ausstellung „Kaufmannspaläste an der Via Regia – Die Görlitzer Hallenhäuser“

 

 

 

Foto: Ulrich Schwarz

Historie zur Görlitzer Bewerbung

26.09. bis 28.09.2018

8. jährliche Tagung des Advisory Forum der Kulturrouten des Europarates in Görlitz
Thema: „Kulturrouten des Europarates als Verbindung zwischen kulturellen Werten, Erbestätten und Bürgern: Strategien und Synergien aus globaler Sicht.“ Webseite

18.08. bis 31.10.2018

Zwischenpräsentation der aktuellen Forschungsergebnisse im Rahmen der Ausstellung „Hallenhäuser  – Kaufmannspaläste an der VIA REGIA“ Webseite

2017

Start des Projektes „Kaufmannspaläste an der VIA REGIA – Die Görlitzer Hallenhäuser“ im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018

  • Intensivierung der Bauforschung durch Beauftragung von Laserscanning-Vermessung der Gebäude Brüderstraße 9 und Untermarkt 3 als Basis für weitere Forschungen
  • Herstellung eines 3D-Druckmodells des Hallenhauses Brüderstraße 9 zur anschaulichen Vermittlung der Architektur des Hallenhauses
  • Nutzung der Dokumente des Görlitzer Ratsarchivs zur Erforschung der Hauschroniken

 

Seit 2015

Befassung mit der Ausrichtung der Görlitzer Bewerbung und der weiteren Bewerbungsstrategie auf unterschiedlichen Ebenen.

Juni 2014

Bekanntgabe der Jury-Entscheidung:

Noch keine Aufnahme der Görlitzer Bewerbung auf die Tentativliste durch die Kultusministerkonferenz.

Es wurde der Stadt Görlitz jedoch bescheinigt, dass die Hallenhäuser das Potenzial besitzen, das zentraleuropäische Handelswesen der frühen Neuzeit darzustellen. Sie empfahl der Stadt Görlitz die Erforschung und Vermittlung dieses Aspektes.

Januar 2014   

Besuch des internationalen Fachbeirates der UNESCO zur Prüfung der Bewerbungsvorschläge für die deutsche Tentativliste

6. Dezember 2013   

Abgabe der vertiefenden Vergleichsanalyse der Görlitzer Hallenhäuser an der VIA REGIA im Hinblick auf zeitliche, typologische oder geo-kulturelle Bezüge […] mit Stätten in West- und Mittelosteuropa

Oktober/November 2013   

Wissenschaftliche Forschungsreise durch Polen, Tschechien und Süddeutschland sowie Recherche in verschiedenen Archiven zum Thema „Vergleichsanalyse des Görlitzer Hallenhauses“

August 2013   

Aufforderung durch die Kulturstiftung der Länder, die Bewerbung im Punkt „Vergleichsanalyse“ zu vertiefen

Dezember 2012   

Aufforderung der Kultusministerkonferenz der Länder: Kürzung der Bewerbung und Einreichung von 20 Bildern bis 1. Februar 2013

Juli 2012   

Einreichung der neuen Bewerbung

Juni 2012   

Hinweis der Expertenkommission: Reduzierung der Bewerbung auf das Thema: Die Görlitzer Hallenhäuser an der VIA REGIA; gleichzeitige Nominierung neben Dresden Hellerau und der Leipziger Notenspur

März 2012   

Präsentation der Bewerbung in Dresden

Januar 2012   

Einreichung der Bewerbung „Stadtbaukunst Görlitz“  (Altstadt und gründerzeitliche Innenstadt)

Oktober 2011   

Mitteilung des Innenministeriums, dass der Görlitzer Vorschlag grundsätzlich Welterbepotential besitzt und Aufforderung zur Einreichung der Bewerbung

September 2011       

Beschluss des Sächsischen Kabinetts: Eröffnung des Verfahrens zur Suche geeigneter Kandidaten als Vorschlag für die deutscher Tentativliste

Juli 2011     

Gründung der Facharbeitsgruppe Welterbebewerbung

21. Mai bis 31. Oktober 2011

3. Sächsische Landesausstellung  „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“  im Kaisertrutz, Kulturhistorisches Museum Görlitz

 

Bildquellen: Ulrich-Schwarz, Rainer Michel

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