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Rundgang auf dem Demianiplatz
Das Gebiet gehörte ursprünglich zur Frauen- bzw. Reichenbacher Vorstadt.
Die Wurzeln des Platzes reichen vom Mittelalter bis in die Gegenwart und spiegeln sich in der abwechslungsreichen Gestaltung wieder.
Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich hier schon ein Melzhaus und um 1420 gab es bereits 17 Schankstuben. Ein weiteres Brauhaus entstand 1476 an der Nordseite bei der Frauenkirche.
1516 entstand eine Glockengießerei. In dieser Werkstatt wurde 1529 die Glocke vom Dicken Turm gegossen und im Jahre 1532 im Turmgestühl aufgezogen.
Gegen 1830 ging die ländliche Gegend der damaligen Vorstadt mit der aufstrebenden Stadt gänzlich verloren. Es siedelten sich Handwerker, welche auch Landwirtschaft betrieben, an und vor allem zahlreiche Rademacher (Stellmacher) und Wagenbauer fanden hier ihr Domizil. Schnell bürgerte sich für das neue Gebiet der Name "Rademarkt" ein.
Entlang der ehemaligen Zittauer Landstraße (in Richtung Bautzener Straße) konnte man unter überdachten hölzernen Vorbauten von niedrigen Fachwerkhäusern gehen, den Radeläuben. Sie dienten unter anderem zu Jahrmarktszeiten den Kürschnern als Verkaufsstelle. 1835 wurden die zunehmend verfallenden Gänge und Gebäude weggerissen. Danach entstanden zweistöckige Wohn- und Geschäftshäuser aus Stein.
In den "Goldenen Zwanzigern" wurde die Theaterpassage angelegt. Diese Verbindungsstraße zwischen Postplatz und Demianiplatz aus dem Jahr 1926 sollte vorrangig von Besuchern des Theaters genutzt werden.
Im Haus Demianiplatz 28 befand sich eines der ältesten Unternehmen. Der Bau aus dem Jahre 1564 wurde 1799 zum Zeitungs- und Verlagshaus erweitert und im gleichen Jahr erschien hier der erste "Görlitzer Anzeiger".
Bemerkenswert ist die Fassade des Gebäudes mit den Frauenplastiken aus dem Jahre 1878.
Seit Jahrzehnten haben hier die Stadtwerke AG ihren Sitz.
Mit der Errichtung des Theaters 1850/51 wurde der Demianiplatz geteilt und ist seither eigentlich ein Doppelplatz. Die Gartenanlage gegenüber dem Eingang wurde 1852 angelegt und Ende 1960 mit der heute noch vorhandenen Blumenuhr neu gestaltet.
Die Luisenstraße erschien erstmalig 1874 im Görlitzer Adressbuch. Sie wurde nach der Gemahlin des Eisenwarenhändlers Theodor Schuster, Luise, benannt. Dessen Geschäftshaus am Demianiplatz wurde 1868 abgebrochen um die Straße anlegen zu können.
An der Westseite des Platzes mit Parkmöglichkeiten für den Busverkehr befand sich schon 1770 der Gasthof "Zur goldenen Sonne". Mit seinen angrenzenden Stallungen galt er damals als einer der vornehmsten Gasthöfe für Fuhrleute und Viehhändler. Seit 125 Jahren ist hier auch die dienstälteste Apotheke, die Humboldtapotheke, ansässig.
Zu den Gebäuden mit sehenswerten Spiraltreppen gehört das Haus Demianiplatz 3 an der Ecke zum Obermarkt. Hier verstarb in der Nacht zum 08. September 1757 der General Hans Karl von Winterfeldt an den Folgen seiner in der Schlacht von Moys erlittenen Verwundungen .
Das weit vorspringende Gebäude wurde 1851 abgetragen und ein neues in Straßenflucht errichtet.
Im Park an der Rückseite des Theaters steht heute das Denkmal einer der wichtigsten Görlitzer Persönlichkeiten, Gottlob Ludwig Demiani. Auch wenn er als Bürgermeister die meisten mittelalterlichen Befestigungsanlagen abreißen ließ, traf er entscheidende Richtlinien für die spätere Blütezeit unserer Stadt. Ihm zu Ehren wurde nach seinem Tode 1846 der Rademarkt in Demianiplatz umbenannt.
Das Haus an der Ecke zur Annengasse war eine alte Schönfärbe. Später gehörte der 1862/ 1863 neu errichte Bau mit einer Destillation Familie Friedländer.
Das Areal nördlich der Annenkapelle hieß lange Zeit Topfmarkt. Der 1729 zur Promenade ausgebaute Fahrweg wurde 1774, 1777 an beiden Seiten mit Hecken bepflanzt und der Topfmarkt näher an die damaligen Radeläuben verlegt.
Eines der ältesten Geschäftshäuser gehörte den Unternehmern Georg und Hermann Bargou. Der Renaissancebau an der Ecke zum Marienplatz war ein beliebte Einkaufsstätte, die 1952 zum Konsumwarenhaus für Haushaltsartikel wurde. 1993 umfangreich saniert beherbergt das Gebäude heute die Geschäftsstelle der Deutschen Bank.
Die Umgestaltungen der Nordseite am Demianiplatz begannen mit dem Bau des Museums der "Naturforschenden Gesellschaft" 1860, dem heutigen Staatlichen Museum für Naturkunde.
1913 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Warenhaus "Zum Strauß" der Louis Friedländer GmbH auf den Fundamenten des ehemaligen Gasthofes "Zum Goldenen Strauß" von 1717 sowie angrenzenden Nachbargrundstücken. Der prunkvolle neoklassizistische Bau ist das einzige original erhaltene Warenhaus Deutschlande aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts und befand sich von 1991 bis 2005 im Besitz der Karstadt AG.
Durch die wachsende Stadt entwickelte sich der zentral gelegene Platz schnell zum Knotenpunkt des innerstädtischen Verkehrs. Er bot neben dem Bahnhofsvorplatz ausreichend Parkplätze für Droschkenkutschen und Pferdestraßenbahnen. Bis heute ist er Mittelpunkt für den öffentlichen Nahverkehr und die regionale Verkehrsanbindung geblieben.








