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Konsulplatz und Konsulstraße

Das Ackerland innerhalb der Stadtflure teilte man früher in Gärten und Vorwerke. Häufig wurden die Flurstücke mit einer Größe von mindestens hundert Morgen Land "Stück Acker" genannt. Die Größe eines Vorwerks ließ sich erst 1845 durch die genaue Vermessung der Stadt und Flure des Revisors Waeges feststellen. Bis zu diesem Zeitpunkt traten große Verschiebungen im Grundbesitz ein. Die Vorwerke wurden geteilt, oft verkauft oder in Gärten umgestaltet. Mit der Zunahme von Handel und Industrie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und der steigenden Nachfrage der Bürger nach Gartenland wurden sie immer mehr zerstückelt. Die Grundstücksteilungen waren ein lohnendes Geschäft für die Vorwerksbesitzer.

So konnte auch die Stadt nach dem Pönfall 1547 durch den Ankauf ganzer Vorwerke und den Verkauf kleinerer Flurstücke die finanzielle Notlage bessern.

Schon in den ältesten Stadtbüchern wird das Vorwerk Konsulsdorf erwähnt. Das Gebiet wurde frühzeitig in Gärten geteilt und reichere Bürger errichteten zahlreiche Gartenhäuser.

Es änderte sich nicht nur oft der Besitzer des alten Vorwerkes, sondern auch der Name dieses Areals. Von 1303 bis über das 14. Jahrhundert hinaus wurde es unter anderem Kunstinsdorf; Kunstindorf, Konstolsdorf, Konsdorf, Kunsensdorf oder Kunstinisdorf genannt. 1407 erschien dann bereits die Bezeichnung Konsulsdorf.

Die Dorfstraße wurde ab 1472 Kuhl-, Konsulgasse, Kuhlgasse, Köhler- oder Kohlgasse genannt. Aus dieser Zeit leitet sich der Wortteil -Consul- ab und im Laufe der Jahre änderte sich dann nur noch die Schreibweise des Namens, der seit 1872 in Konsulplatz, Konsulstraße bzw. Kleine Konsulstraße endet.

Die anfängliche Feldgasse und spätere private Sackgasse sollte einmal mit dem Mühlweg verbunden werden. Bis zu diesem Weg und der James-von-Moltke-Straße durchgehend, stand ein dem Dr. Stölzer und seit 1814 der Advokat Familie Geißler (Tochter des Bürgermeisters Riech) gehörendes Haus mit großem Garten. Die Gegend wurde deshalb auch "in den Gärten" genannt.

Um 1641 war das Terrain Konsulstraße 37 Quartier des Herzogs Albrecht von Sachsen. Der Regent war 1625 bis 1629 Reiterobrist unter Wallenstein. 1630 in schwedischen Diensten kam er fälschlich in Verdacht König Gustav Adolf verräterisch erschossen zu haben. Als kursächsischer und 1641 kaiserlicher Feldmarschall ist er 1642 in Schlesien im Kampf gegen die Schweden gefallen.

Eines der bekanntesten Häuser auf dem Konsulplatz ist die ehemalige Klinik von Dr. med. Oskar Boeters (11.10.1888 - 27.01.1978), auch "Boetersche Klinik" genannt. Der Sohn des Sanitätsrates Ernst Boeters war Schüler von Sauerbruch und Koch. Ihn und seine Familie verband eine enge Freundschaft zum Künstler und Kommunisten Johannes Wüsten. Während der Naziverfolgung verhalf er dem berühmten Görlitzer Maler 1934 zur Flucht nach Prag. 1936 übernahm Dr. med. Boeters die Klinik seines Vaters und war bis in die letzten Tage des zweiten Weltkrieges Standortarzt der zur Festung erklärten Stadt. Nach Enteignung des Privatspitals ging er 1949 als Arzt nach Weißwasser und setzte sich dort für den Bau des ersten Krankenhauses im Ort ein.

Seitdem ist der Konsulplatz über Jahrzehnte Domizil für Ärzte mit verschiedenen medizinischen Fachbereichen geblieben und wurde nach der Wende Standort für viele neue Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Im Zusammenhang mit diesem Stadtgebiet soll ein Gebäude nicht unerwähnt bleiben. Im Hof des Hauses Konsulstraße 19 befindet sich eine der ältesten Tiefgaragen Europas. 1926 schuf der Kaufmann Curt Lustig 20 Stellplätze, vorrangig für Daimler-Benz-Karossen und noch bis 2003 blieb sie Teil eines Autohauses für Skodafabrikate. Heute wird der interessante Bau zu bestimmten Anlässen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der zum Gründerzeitviertel gehörende Konsulplatz und die umliegenden Straßen wurden 1994 in die Liste der Kulturdenkmale des Freistaates Sachsens aufgenommen. Mit Unterstützung des Bundes, des Freistaates Sachsen und der Stadt Görlitz werden unter ständiger Überwachung der Denkmalfach- und Schutzbehörden geeignete Maßnahmen zur Sicherung des Bestandes gefördert und Dezimierungen unterbunden. Die heute noch vorhandenen Gebäude weisen in ihrer Geschlossenheit und Qualität Görlitz als eine der schönsten Provinzialstädte Deutschlands aus und prägen durch unterschiedliche interessante und sehenswerte Fassadengestaltungen das Bild unserer Innenstadt.