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Gründerzeitviertel

Wichtigster Schub war die Industrialisierung in Görlitz, welche der seit 1815 zu Preußen gehörenden Garnison innerhalb des 19.Jahrhunderts eine Verzehnfachung der Bevölkerung bescherte. Seit jener Zeit bestimmten Schienenfahrzeuge und Elektromaschinen das Image der Arbeiterstadt.
1847 wurde weit draußen auf freiem Feld ein großer Bahnhof errichtet und der Zwischenraum zur alten Stadt mit respektablen Wohn- und Geschäftsstraßen aufgefüllt. Im Zuge dieser luxuriösen "Gründerzeit" verlagerten sich die Gewichtungen, seit dem hat Görlitz zwei Zentren. Zum einen die "Altstadt" und zum anderen die "Gründerzeitviertel".
Zu den Gründerzeitvierteln gehörten das Konsulviertel, das Salomonviertel, Kelleborn, das Nikolaiviertel und die Kummerau.
Der Stadtteil Konsulviertel, heute Konsulplatz, umfasste noch 1850 zu Beginn der Gründerzeitbebauung das gesamte Gebiet zwischen Altstadt und Eisenbahn, zwischen Zentrum und Neiße.
Bis auf derartige engbegrenzte städtebaulichen Veränderungen ist das Konsulviertel ein charakterisches Bild unserer Stadt.
In der Nähe der heutigen Berliner Straße erstreckte sich das Salomonsviertel, auch Salomonsdorf. Das Dorf besteht noch heute fort im Namen Salomonstraße. Erst 1883 wurde der untere Teil bis zum Postplatz in die Berliner Straße einbezogen. Bis dahin gehörte er zur Salomonstraße als ehemaliger Dorfstraße.
Der traditionelle Name "Kelleborn" wurde anstelle der Bezeichnung "Innenstadt-West teilweise wieder verwendet. Die zentrale Achse von Kelleborn bildet die Landeskronstraße.
Der Name rührt von einer Quelle der Brunnenstraße, aus der offenbar kellenweise Trinkwasser entnommen werden konnte.
Dieser Stadtteil umfasst zum einen die schöne, geschlossene Gründerzeitbebauung in der Nähe der Landskronstraße, die etappenweise modernisiert wird.
Das Nikolaiviertel hat seinen Namen als ehemalige Vorstadtsiedlung vor dem Nikolaitor erhalten. In seinem Territorium befand sich der ursprüngliche Siedlungskern, das Dorf Drewnow. Es ist das kleinste Stadtviertel, aber mit großer geschichtlicher Bedeutung und eigenem Charakter. Mit der Nikolaikirche, dem Finstertor, dem Heiligen Grab und dem ältesten Landschaftsgarten liegen im Nikolaiviertel eine Reihe außergewöhnlicher Einzeldenkmale von teils internationaler Bedeutung.
Das Stadtviertel Kummerau liegt nördlich der Pontestraße, Christpoph-Lüders-Straße und Siebenbörner, ist im Westen durch die Reichsbahngleise und im Norden durch die Girbigsdorfer Straße und Heilige-Grab-Straße begrenzt.
Die Neubebauung und der weitgehende Abbruch der alten Gehöfte lässt die gegebene Begrenzung heute zweckmäßig erscheinen. Kummerau war nie Bezeichnung eines Dorfes, sondern ein Landstrich der Stadt. Der Ursprung des Namen lässt sich nicht mehr angeben.