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Elisabethstraße

Wegen ihrer Breite und dem promenadenartigen Bereich zwischen den beiden Fahrbahnen wird die 80 Meter breite Elisabethstraße von vielen auch Elisabethplatz genannt. Auch der reiche Baumbestand trägt zu diesem Eindruck bei. Sie ist nur um weniges schmaler als die Straße „Unter den Linden“ in Berlin.

1369 befand sich auf dem oberen Abschnitt, Ecke Steinstraße, ein Teil des herzoglichen Schlosses. Der Bau dieser Art Zwingburg wurde der Stadt von Kaiser Karl IV. wegen der ersten bedeutenden Tuchmacheraufstände auferlegt. 1474 erwirkte man den Abriss des unvollendet gebliebenen Gebäudes. Nach Zeichnungen von 1851 befanden sich an jener Stelle des Schlosses ein Brauhof und Bürgerhäuser. Die Errichtung des Eckhauses zur Weberstraße im selben Jahr war der Auftakt für die Bebauung der gesamten Nordseite mit straßenbegleitenden Mietshäusern. Die Südseite wurde mit  Bürgerhäusern für die wohlhabende Oberschicht der Stadt bebaut.

Durch den Bau eines Bankgebäudes 1854, der königlich preußischen Bank und späteren Reichsbank, wurde die Straße östlich begrenzt.

Bis 1840 bildete das Gebiet der heutigen  Elisabethstraße das Terrain, auf dem sich ein doppelter Stadtmauerring und der Stadtgraben befanden. Mit der Ausdehnung der Stadt und dem Verlust der militärischen Bedeutung der Befestigungsanlage beschloss der Stadtrat bereits 1843, das Areal zur Promenade auszubauen. Anlässlich eines Besuches 1844 ernannte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. Gottlob Ludwig Demiani zum Oberbürgermeister und erhob die Stadt Görlitz in den Rang einer Großstadt. Zum Dank wurde die neue Straße nach der Gemahlin des Monarchen – Elisabeth – benannt.

Durch die verzögerten Abbrucharbeiten der alten Wehranlagen wurde die neue Straße erst viel später fertig gestellt. Im Laufe der Jahre wurde der Stadtgraben zugeschüttet, alle Bastionen und die Stadtmauern abgerissen, der östlich gelegene Rähmzwinger (benannt nach den von Tuchmachern dort aufgestellten hölzernen Rahmen zum Spannen der Tuche) ebenfalls entfernt und zunächst der Topfmarkt dort hin verlegt. Ab 1850 begann man auch das Areal des früheren Schießzwingers zu planieren. Die Klosterstraße (und in deren Verlängerung die Bismarckstraße) wurde angelegt und teilt seitdem die Straße. Zwischen oberem und unterem Abschnitt führte von 1882 bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges die Pferdebahn entlang.

Seit 1855 behielt die neue Promenade annähernd ihre heutige Form und wurde 1862 vierreihig bepflanzt. Es sollen einmal 175 Bäume gewesen sein.

Viele Gebäude an beiden Seiten der Straße besitzen sehenswerte Fassaden. Dazu gehört das schmalste Haus mit einer üppigen Stuckgestaltung auf dem unteren Teil der Nordseite Hier befand sich auch die Wohnstätte des berühmten Lustspielautors Gustav von Moser. Eine Gedenktafel erinnert heute noch an das stadtbekannte Original.

Eine der repräsentativsten Fassaden hat das seit 1875 bestehende Schulgebäude. Über dem Eingang der heutigen Mittelschule stellen vier plastische Abbildungen die Pädagogen Diesterweg, Pestalozzi, Jahn und Fichte dar. Einen weiteren Blickfang bilden zwei Frauenstatuen, die Göttinnen der Kunst und Wissenschaft, jeweils links und rechts in den Nischen der ersten Etage. Die beiden Allegorien Handel und Gewerbe zieren den oberen Abschluss der imposanten Lehranstalt. 

Ein anderes interessantes Detail der Fassadengestaltung weist das Eckgebäude an der Südseite der Straße zum Marienplatz hin auf. Ein über Eck gestellter Karyatidenbalkon (Frauengestalten als Träger) ziert die Stirnseite des Bankgebäudes, das im späten 19. Jahrhundert errichtet wurde und 1919 noch einmal eine Umgestaltung erfuhr.

Bereits 1864 war die von Görlitzern liebevoll „Eli“ genannte Straße Zentrum des Wochenmarktes für landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte. Auch heute belebt der Markt mit einem vielseitigen Angebot an verschiedenen Waren die Promenade. Die Elisabethstraße gehört durch die vielgestaltigen Fassaden zu den markantesten Straßen von Görlitz.