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Ölberggarten
Das Görlitzer Heilige Grab, erbaut Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, gilt von allen europäischen Heilig-Grab-Anlagen des Mittelalters als die dem Jerusalemer Original am nächsten kommende. Sie beinhaltet die Kreuzigungskapelle, das Salbhäuschen mit der Pietä und das Grab. Schriftliche Zeugnisse und Kupferstiche zeigen uns, dass seit Mitte des 16. Jahrhunderts symbolisch die Jerusalemer Gegebenheiten auf die Landschaft um das Görlitzer Heilige Grab übertragen wurden:
Das Wässerchen Lunitz wurde zum "Bach Kidron"; am Fuß des dem Heiligen Grab gegenüberliegenden Hanges gab es die "Jüngerwiese", und auf halber Höhe dieses kahlen Hügels, der "Ölberg" genannt, stand der "Ölbaum", heute ein ca. 150 jähriger Ahorn.
Von der Freitreppe des 1913 auf dem Ölberg erbauten städtischen Krematoriums hat man einen guten Blick über die Stadt, im Vordergrund das Heilige Grab.
Es lag nahe, das Areal zwischen diesem und dem Krematorium zu gestalten.
Die Anlage "Ölberggarten" entstand in den Jahren 1923 bis 1928 nach einem Entwurf des damaligen Gartendirektors Heinrich Diekmann als multifunktionale Obstanlage.
Auf dem nach Südosten geneigten Hang wurden Obstbäume und Johannisbeersträucher gepflanzt. Die Obstflächen waren von Blumenrabatten gesäumt, es gab einen Rasenspielplatz, kleinere, mit Hainbuchenhecken eingefasste Spielflächen und ein Unterkunftshäuschen. Am Eingang Friedhofstraße, links des Hauptweges, lag ein Stauden-Senkgärtchen mit einer vom Görlitzer Kaufmann Ewald Schneider gestifteten Bronzefigur.
Der obere Teil der Anlage, die Rosenterrasse, auf der auch der Ölbaum steht, war bis 1936 gerahmt von einer hölzernen, von Schlingrosen bewachsenen Pergola. Um den Garten herum pflanzte man Haselnusssträucher, einige davon sind heute noch vorhanden.
Bemerkenswert sind die alten Birnenhochstämme, die den Weg vom höchsten Punkt der Rosenterrasse bis zum Eingang Luthersteig/Schanze säumen.
Seit 1999 ist die direkte Verbindung zwischen Ölberggarten und Heiligem Grab wieder hergestellt. Sie führt in der Nähe des am tiefsten Punkt der Anlage gelegenen Teiches über den "Bach Kidron". Der Teich ist Laichgewässer für Amphibien.
Auf den Wiesen konnte im Jahre 2001 der sehr lückige Obstbestand mit hochstämmigen Bäumen ergänzt werden. Kleine Tafeln informieren über die Eigenschaften der vorzugsweise historischen Sorten.
Durch extensive Bewirtschaftung, das heißt Verzicht auf die Anwendung von Bioiziden, und nur zweimalige Wiesenmahd im Jahr wird eine Streuobstwiese gefördert, die wertvoller Lebensraum und Rückzugsgebiet für viele Arten des Tier- und Pflanzenreiches ist.
So wurde die gestaltete Landschaft mit den Symbolen Bach Kidron, Jüngerwiese, Ölberg und Ölbaum wieder zu einem fruchttragenden Hain, gedanklich angelehnt an den Garten Gethsemane.




