>> [Klickpfad - Breadcrumb - Aktuelle Position]
>> [Seiteninhalt]
Robert-Oettel-Denkmal (Hühnerdenkmal)
Robert Oettel (1798 - 1884) entstammte einem traditionsreichen Görlitzer Kaufmannsgeschlecht und zeichnete sich durch vielseitige Aktivitäten, auch als langjähriger Stadtverordneter, in der Stadt Görlitz aus.
Als kenntnis- und erfolgreicher Geflügelzüchter legte er den Grundstein für die systematische Verfolgung von Zuchtzielen und erkannte und propagierte die Bedeutung der Geflügelzucht für die Volkswirtschaft. Er war der erste, der asiatische Fleischhühner importierte, die auch im Winter legten, und mit heimischen kreuzte.
Im Jahre 1852 wurde von ihm in Görlitz der "Hühnerologische Verein" gegründet, dessen Vorsitz er bis zu seinem Tode inne hatte. Es war der erste Geflügelzuchtverein Deutschlands.
Anlässlich des Gedenkens an Robert Oettel zu seinem 100. Geburtstag im Jahre 1898 beschlossen die Vertreter der Rassegeflügel-Züchtervereine Deutschlands, ihren Gründer mit einem Denkmal in seiner Heimatstadt zu ehren. Finanziert werden sollte dieses aus Spenden und Stiftungen der Mitglieder.
Entwurf und Ausführung lagen in den Händen des Dresdener Bildhauers Reinhard Schnauder (1856 - 1923), von dem auch ein großer Teil des plastischen Schmucks an und in der Oberlausitzer Gedenkhalle (heute Dom Kultury/Zgorzelec) stammt.
Am 15. Juni 1901 wurde das "Hühnerdenkmal" in einer Feierstunde enthüllt:
Drei Bronzereliefs an einem großen Granitblock zeigen das Portrait Oettels und Szenen aus dem Alltag der Geflügelzüchter. Ein lebensgroßer Hahn aus Bronze thront obenauf.
Der bronzene Schmuck musste 1942 vom Granitblock entfernt und der Rüstungsindustrie zum Einschmelzen zugeführt werden.
Ein engagierter Geflügelzüchter forschte nach Kriegsende nach dem Verbleib und entdeckte auf einem sogenannten Glockenfriedhof die bronzenen Tafeln, der Hahn blieb verschwunden.
Zum 100. Gründungstag des Görlitzer Hühnerologischen Vereins, im Oktober 1952, fand in Görlitz eine Fachtagung statt, die ca. 500 Geflügelzüchter aus ganz Deutschland vereinte.
Die Züchter versammelten sich am wieder komplettierten Denkmal, dem nur noch der Hahn fehlte.
1992 wurde auf Veranlassung des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter auch der Hahn wieder auf den Granitblock gesetzt, den der Dresdener Bildhauer Vinzenz Wanitschke getreu dem verlorenen Original nachmodellierte. Es handelt sich um einen Vertreter der Rasse "Bergischer Kräher". Ob bewusst oder nicht, damit wurde ein Wunsch des humorvollen Robert Oettel erfüllt, der einmal formulierte :
"Auf mein Grab müßt ihr mir setzen einen schönen stolzen Hahn.
Kräht` er, würd` es mich ergötzen, auch wenn ich`s nicht hören kann."
