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Friedrich-Schiller-Denkmal
Die Schillerverehrung wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland besonders gepflegt. Ihren Höhepunkt erreichte sie zum 100. Geburtstag des Dichters im Jahre 1859. Allerorts, so auch in Görlitz, gründeten sich Festkomitees, welche die Feierlichkeiten planten und das notwendige Geld für Programmgestaltung und Gedenksteine sammelten und verwalteten. Einzelpersonen, Traditions- und Geselligkeitsvereine, Schulen, die Handwerkerinnungen, Gesellschaften der Intelligenz und der Kirchen zeichneten Spendensummen.
So konnte eine aus heutiger Sicht pompöse Veranstaltung vorbereitet werden. Sie war geplant für Donnerstag, den 10. November 1859, Schillers 100. Geburtstag. Die Polizeiverwaltung erteilte jedoch für diesen Tag keine Genehmigung für den Festumzug, und so wurde die Veranstaltung auf Sonnabend, den 12. November, verlegt. Dies erwies sich von großem Vorteil, bemerkte eine Tageszeitung, denn der Donnerstag sei sehr verregnet gewesen.
Ab 14.00 Uhr bewegte sich der Umzug Richtung Blockhaus, in dessen Nähe dann der Grundstein für ein Schillerdenkmal gelegt wurde, begleitet von Rezitationen, Chorgesängen und patriotischen Ansprachen. Von der Landeskrone und den Kaltbergen bei Hennersdorf (heute Jedrzychowice) ließ man abends Feuer leuchten.
Sockel und Postament des geplanten Denkmals sollten aus poliertem schlesischen Kunzendorfer Marmor gearbeitet werden. Damit wurde ein Bildhauer Wilde beauftragt. Nach der ersten Fertigstellung wies der Sockel so viele Transportbeschädigungen auf, dass das Schillerkomitee die Abnahme verweigerte und auf Austausch des Steines drängte. Endlich, am Sonntag, dem 23. Juni 1861, morgens 6.00 Uhr, konnte das Schillerdenkmal feierlich enthüllt werden:
Auf einer granitenen Stufe erhebt sich der Sockel. Seine Vorderseite ziert ein Lorbeerkranz aus Metallguss, in die Rückseite ist gemeißelt:
Den 10. November 1859.
Das an den vier Ecken sparsam mit Lorbeer verzierte marmorne Postament darüber trägt die Metalltafel - Schiller - und einen Zink-Nachguss der von dem Bildhauer Johann Heinrich Dannecker nach Schillers Tod im Jahre 1805 geschaffenen Büste des Dichters. Dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, gestaltete Dannecker 1805 das Antlitz Schillers stark idealisiert. Dieser Nachguss stellte sozusagen patriotische Massenware dar und kostete im Jahre 1859 nur 60 Taler. (Für das ganze Denkmal waren ca.300 Taler veranschlagt.)
Eine Replik der von Ernst Rietschel modellierten Schillerbüste, welche das Komitee gern für Görlitz erworben hätte, war nicht ohne weiteres zu bekommen und wäre wohl nicht bezahlbar gewesen, da Rietschel die Rechte daran allein besaß.
Das Schillerkomitäe löste sich nach der Übergabe des Denkmals auf und überwies den Vermögensrest von 5 Talern in den Fonds zur Errichtung des Demiani-Denkmals.
Der Entwicklung der Stadt und den veränderten Bedürfnissen entsprechend, wurde die Verkehrsführung im Laufe der Zeit umgestaltet. Und so befindet sich das Denkmal für Friedrich Schiller heute unmittelbar an einer belebten Ampelkreuzung und wird von nur wenigen Menschen wahrgenommen.
