>> [Klickpfad - Breadcrumb - Aktuelle Position]
>> [Seiteninhalt]
Nikolaibrunnen
Am Nikolaiturm und Keller Nikolaistraße 6
Die Görlitzer erzählen gern, dass sich im Keller der Nikolaistraße 6, etwa 5,20 Meter unter der Straßenoberfläche, ein mittelalterliches jüdisches Ritualbad erhalten hat, eine sogenannte Mikveh.
Der Nachweis, das dem so ist, kann nicht geführt werden; anhand der historischen Unterlagen ist es unwahrscheinlich.
Das Haus Nikolaistr. 5, von dem aus heute das "Bad" zu begehen ist, war ein mittelalterlicher Brauhof, im Haus Nikolaistraße 6 bestand eine Tuchfärberei, die Nikolaifärbe.
Beide Gewerbe sind auf Wasser angewiesen; es ist also durchaus möglich, dass die ausgeklügelte Wasserversorgung rein weltlichen Zwecken, nämlich der Produktion, diente.
Das in einer Felsschicht anstehende Wasser steigt in einem separaten Kellerraum des Hauses Nikolaistraße Nr. 5 auf und sammelt sich in einer um den Raum verlaufenden Rinne aus Mauersteinen. Bevor es diesen Kellerraum verlässt, passiert es einen Absetzschacht. Dort können Feststoffe, die sich im Wasser befinden, sinken. Eine weitere Klärung erfolgte beim Austritt aus dem Absetzbehälter, als das Wasser über ein Hindernis fließen musste. Über eine lange Rinne, in der sich das Wasser weiter klären kann, gelangt es in den Keller, in welchem sich das Becken, die vermeintliche Mikveh, befindet.
Es ist in den Fußboden eingelassen, rechteckig und mit Granitsteinen eingefasst, die Sohle ist gepflastert. Ursprünglich führte der Überlauf durch die westliche Kellerwand mittels hölzerner Rohrleitungen in den zwischen 1860 und 1880 verrohrten und überbauten Pontebach.
Wahrscheinlich Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Abfluss in einen Regenwasserkanal umgebunden. Diese Lösung erwies sich auf Dauer als ungünstig, und so musste eine neue Variante gefunden werden: Im angrenzenden Keller legte man einen Pumpensumpf an und verband diesen durch eine Grundleitung mit dem Becken. Das überschüssige Wasser wird aus dem Keller hinausgepumpt, im Sommer versorgt es den Zierbrunnen am Nikolaiturm, winters gelangt es in die Kanalisation.
Ob jüdisches Ritualbad oder Becken zum Bierkühlen oder Tuchespülen - bewundernswert ist bis heute der Einfallsreichtum unserer Vorfahren, die aus der Not - dem nassen Keller- eine Wasserversorgung machten.


