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Das Treppenhaus
Von der Eingangshalle gelangt man über ein repräsentative, seht breite und mäßig ansteigende Treppe in die Obergeschosse. Der Treppenanlauf wurde möglichst zentral angelegt und wird vielfach durch eine Treppensäule oder einen Bogen betont. Der Treppenanlauf ist fast immer (einseitig) zu Halle hin offen, dadurch wird seine Großzügigkeit unterstrichen und eine bessere Verbindung zu den Obergeschossen hergestellt.
Im Zwischengeschoss oder 1. Obergeschoss beginnt die Treppenhalle, der zentrale Raum und die Einmaligkeit des Görlitzer Hallenhauses. Da bereits die gotischen Vorgängerbauten über Haustiefen von 15 m und mehr verfügten, machte sich bei deren Zusammenlegung ein besonders bauliches Element notwendig, eben die Treppen - oder Zentralhalle. Nur durch sie wird eine ausreichende Belichtung und Belüftung und eine zweckmäßige Erschließung der gewaltigen, bis 24 m tiefen Hausanlagen möglich. Die Treppenhalle reicht über alle Obergeschosse bis in Dachgeschoss, besitzt in der (den) obersten Ebene(n) eine seitliche Belichtungsöffnung und weitet sich nach unten mit dem Lichteinfall. Ein komplizierte Treppenanlage mit kurzen Treppenläufen und Podesten, mit Galerien, in einigen Fällen mit einer Spindeltreppe, ermöglicht die Erschließung der unterschiedlichen und gegenseitig versetzten Ebenen des Hauses.Von der Treppenhalle aus erschlossen und von ihr aus mit Frischluft versorgt ist die "schwarze Küche", ursprünglich nur im 1. Obergeschoss angelegt, findet sie sich auch später in den darrüberliegenden Ebenen. Den oberen Abschluss der Treppenhallen bilden Böhmische Kappen, Kreuzrippen - oder Netzrippengewölbe, sie folgen in Konstruktion und Form gotischen Vorbildern. So lassen sich an den Gewölben Hilfsmittel zum Aufziehen von Lasten in die Obergeschosse und das Dachgeschoss befestigen, die Treppenhalle wird zur Stapelhalle, die ganze Wagenladungen aufnehmen konnten.
Die bisweilen enorme Größe der Hallen lässt den Eindruck entstehen, dass es sich hierbei um das geschlossene Atrium eines mehrgeschossigen Hauses nach italienischem Vorbild handelt. Künstlerisch ist die Treppenhalle ausgestattet mit wertvollen, steinernen oder schmiedeeisernen Handläufen und Geländern oder es sind diese mit farbig gefassten Säge - oder Drechseldoggen versehen. Eine Besonderheit im Bereich der Treppenhalle ist auffällig - entweder direkt von ihr, einer Galerie oder von einem angeschlossenen Kontor aus ist immer ein Überblick über die Eingangshalle möglich, damit der Hausherr das dortige Treiben überschauen konnte.