>> [Klickpfad - Breadcrumb - Aktuelle Position]

>> [Seiteninhalt]

Park des Friedens


Ginkgo der Sorte "St. Cloud"
Gestaltung um 1910

Auf dem Areal der heutigen Anlage hatten Görlitzer Bürger  bis Mitte des 19. Jahrhunderts Gartenparzellen, die der Tuchfabrikant Ernst Geißler aufkaufte, um einen Park zu gestalten. An Stelle des ursprünglich vorhandenen Sommerhäuschens ließ er eine Villa erbauen, auch ein Gärtnerhaus und Pferdeställe wurden errichtet.

Die um einen Teich aufwändig gestaltete Parkanlage soll den Görlitzer Bürgern damals schon zum Besuch offen gestanden haben.  

Nach dem Tode Ernst Geißlers 1874 wohnte seine Witwe noch in dem Anwesen. Deren Erben waren nicht an Haus und Park interessiert und veräußerten das Gelände 1904 an eine Immobiliengemeinschaft. Die Stadt Görlitz wünschte keine Verdichtung der Bebauung an diesem Ort, und so erwarb 1905 der Schirmseiden-Fabrikant Otto Müller, der schon die Volksbücherei auf der Jochmannstraße gestiftet hatte, das Gelände, um es der Stadt Görlitz zu schenken.  Nachdem die Gebäude abgebrochen waren, wurde 1906 nach Plänen des Gartendirektors Ernst Schneider eine geschickte Umgestaltung unter Berücksichtigung vorhandener Elemente verwirklicht.

Hauptattraktion war die neue sogenannte "Gute Stube", ein streng formal gehaltener Teil am Rande des landschaftlich gestalteten Parkes. Weiße Rankgerüste, Kübel und Sitzmobiliar sowie eine Marmorfigur und kleinteilige Beete mit aufwändiger Wechselpflanzung waren für diesen Teil des Otto-Müller-Parks prägend.

Der Teich musste wegen versiegenden Zuflusses aufgegeben werden, die "Gute Stube" entsprach bald nicht mehr dem Zeitgefühl, auch waren die Mittel für die Pflege nicht vorhanden.

Die Umbenennung in "Park des Friedens" erfolgte am Weltfriedenstag, dem 1. September, im Jahre 1957.

Das Denkmal Jakob Böhmes, ursprünglich als Brunnen konzipiert, fand 1972 im Park seinen würdigen Platz, nachdem es den Grenzabfertigungsanlagen in der Nähe der Stadthalle weichen musste.

Geht man vom Jakob-Böhme-Denkmal Richtung Stadthalle, so findet man links am Weg an der großen Wiese einen der seltenen Ginkgos, wahrscheinlich der Sorte "St. Cloud", an dessen waagerechten Ästen sich Tschi-Tschi  gebildet haben, stalaktitartig nach unten wachsende Holzzylinder. Tschi-Tschi ist das japanische Wort für Mutterbrust, in Japan wird ein Ginkgo mit diesen Ausstülpungen als Symbol der Fruchtbarkeit angesehen und verehrt.

>> [Werbung]