
Journalistin
Laudator:
Günter Ermisch
Staatssekretär
Die englische Tageszeitung "The Times" bezeichnete sie als "eine der 100 mächtigsten Frauen der Welt."
Obwohl Marion Gräfin Dönhoff 1945 vor den Russen flüchtete und damit ihre geliebte Heimat Ostpreußen verlassen musste, forderte sie in ihren Artikeln immer wieder die Aussöhnung mit dem Osten.
"Weitsichtigkeit zählte zu ihren großen Stärken."
(Sächsische Zeitung)
"Seit dem Krieg ging es ihr um die geistige und politische Erneuerung Deutschlands, und eigentlich hat die Auseinandersetzung mit diesem Thema nie aufgehört."
(Die Welt)
Für viele ist sie vor allem "die große, alte Dame des deutschen Journalismus".
(Die Welt)
"Als Journalistin führte die Adelige eine unbestechliche und schnörkellose Feder, so wie sie auch ihr Leben gestaltete."
(Sächsische Zeitung)
"Ihre liberale, zutiefst humanistische zupackende Stimme, die von jeglichem Populismus frei ist, zählt in der heutigen Situation mit ihren zunehmenden Spannungen und Konflikten mehr denn je."
(Sächsische Zeitung)
Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete sie kurz nach ihrem Tod als "europäische Patriotin". Und der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt meinte: "Die Deutschen haben eine wegweisende Mitbürgerin verloren."
"Ihre liberale, zutiefst humanistische zupackende Stimme, die von jeglichem Populismus frei ist, zählt in der heutigen Situation mit ihren zunehmenden Spannungen und Konflikten mehr denn je." (Sächsische Zeitung)
1909
Marion Gräfin Dönhoff wird auf Schloss Friedrichstein in Ostpreußen geboren. Sie ist das siebente Kind in der aristokratischen Familie. Ihr Vater August-Karl ist Mitglied des preußischen Herrenhauses. Mutter Maria arbeitet in jungen Jahren als Palastdame der Kaiserin Auguste Viktoria. Im Kreise von Hauslehrern, Gouvernanten und Dienern wuchs Marion Gräfin Dönhoff auf. "Es ging preußisch, tolerant, liberal zu", schrieb sie einmal, "Und es hieß immer, an die Geimeinschaft, an die anderen denken." Dieser Grundsatz prägte ein Leben lang ihr Handeln.
1932
Nach ihrem Abitur in Potsdam verlässt Marion Gräfin Dönhoff Preußen und studiert in Frankfurt am Main Nationalökonomie. Nach der Machtergreifung Hitlers wechselt die junge Frau nach Basel.
1935
Die 26-Jährige reist durch Europa, die USA und Afrika. Die gewonnenen Eindrücke prägen ihr Verständnis für fremde Kulturen.
Vom Nationalsozialismus wendet sie sich ab und beteiligt sich am Widerstand gegen Hitler. Die Mitglieder des Kreisauer Kreises gehören zu ihren Jugendfreunden.
1938
Die Söhne der Familie Dönhoff werden in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Marion Gräfin Dönhoff übernimmt daraufhin die Verwaltung des elterlichen Gutes.
1945
Aus Angst vor den sowjetischen Truppen flieht die 36-Jährige nach Westdeutschland. Die Liebe zu ihrer Heimat bleibt bestehen. Im Gegensatz zu den meisten Flüchtlingen hält sie jedoch die neuen Grenzverhältnisse für rechtmäßig. "Wir müssen uns damit abfinden, dass ist kein Verrat", lautet ein Zitat aus der damaligen Zeit und zeigt ihre politische Weitsicht.
1946
Im Auftrag der englischen Besatzungstruppen schreibt Marion Gräfin Dönhoff das Memorandum "Wie es zu den Nazis kam, warum die Deutschen den Führer so verehrten und was jetzt zu tun wäre" Darin fordert sie die politische und geistige Erneuerung Deutschlands und eine Aussöhnung mit dem Osten.
Die Lizenzinhaber der Wochenzeitung "Die Zeit" bekommen das Schriftstück in die Hände. Maria Gräfin Dönhoff arbeitet fortan für "Die Zeit", erst als Journalistin, dann als Chefredakteurin, und 1972 wird sie Herausgeberin.
In zahlreichen Beiträgen setzt sie sich immer wieder für die Versöhnung mit Polen ein.
1971
Der Börsenverein des deutschen Buchhandels ehrt das Engagement der Publizistin mit dem Friedenspreis.
1993
Die Stadt Görlitz verleiht der bescheidenen, aber energischen Frau den ersten Brückepreis.
In seiner Laudatio bezeichnet Staatssekretär Günter Ermisch die Journalistin als "publizistische Wegbereiterin der Ost- und Entspannungspolitik Anfang der 70er Jahre." Damit habe sie Anteil an der Entwicklung und schließlich an der Wende in Mittel- und Osteuropa.
11. März 2002
Nach langer Krankheit stirbt Marion Gräfin Dönhoff im Alter von 92 Jahren.
"Wir haben eine wegweisende Mitbürgerin verloren", kommentierte daraufhin der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt.