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Das Jahr 1700 - Schwere Zeiten und Hoffnung auf Frieden

Schätze des Ratsarchivs (13)

Jahrhundertwechsel wurden von Zeitgenossen immer besonders intensiv erlebt. Davon zeugen viele der überlieferten Chroniken sehr verdienter Görlitzer Geschichtsschreiber. Zu den bedeutendsten gehörte Christian Schäffer (1666 - 1747). Er, Sohn des Doctor medicinae Christian Schäffer, war Görlitzer Bürger und Buchbinder und verfügte über genug Vermögen, Zeit und Muße seine Annalen die bis in das Jahr 1744 reichen, aufzuschreiben. Mit viel Akribie und Fleiß entstand so in seinem Brauhof in der Neißstraße 24 eines der wichtigsten Görlitzer chronikalischen Werke.

Als Schäffer beginnt über das Jahr 1700 zu berichten gedenkt zuerst er der schlimmen Ereignisse des verflossenen kriegerischen Jahrhunderts. Darauf folgt ein Wunsch der wohl auch heute seine Bedeutung hätte: " Ich versehe mich Zu dem Geneigten Leser aller Gnade, Liebe, Gunst und Gewogenheit; wünsche meiner Geliebten Vater Stadt Görlitz beständigen Seegen, Friede und Ruhe, guten flor in Policey, der Herr beschütze Kirch und Schull in Geistlichen und Weltlichen an Gelegenheiten unsern Vätern dieser Stadt, und Gemeinen, und bitte den Grund gütthigen Gott, das Er sofort Zu unserem Görlitz sagen wollte, Hier ist meine ruhe ewiglich, hier will ich wohnen, den es gefällt mir." Nun die Wünsche sind das eine die Realität ist leider immer etwas anderes. Und dunkle Wolken zogen am Horizont der Geschichte auf. So beginnt im Jahre 1700 der heute fast vergessene Nordische Krieg, in den Sachsen durch seinen Kurfürsten August den Starken, welcher Inhaber der polnischen Königskrone war, sehr bald hineingezogen wird. Wie immer schon mussten auch die Oberlausitz und Görlitz vieles erleiden. Gigantische Geldsummen waren ohnehin schon in das polnische Abenteuer August des Starken geflossen. Hinzu kamen Truppendurchzüge mit den dabei obligatorischen Belastungen für das Stadtsäckel und die Bürger. Immer lebten die Görlitzer in latenter Furcht. So erfahren wir unter dem 24. März von einem Soldaten der in der Hellen Gasse bei dem Glaser Heilmann mit dem Gewehr "gekünstelt" hatte. Ein Schuß löste sich, die Kugel ist in der Stube dem "Gesellen ins Bein gegangen, und endlich durchs Fenster, aber weiter keinen schaden getan". Am Abend des 17. April nehmen die Soldaten ohne ersichtlichen Grund "mit drommelschlag" das Neißtor ein und verjagten die Torwächter. Glücklich notiert dann Schäffer unter dem 6. Mai: "Sind die hierliehgenden Soldaten 4 1/2 Companien; so Jahr und Tag hier gelegen, und es der Stadt ein merkliches gekostet, aufgebrochen und nach Polen Marchiret." Kriminalität gab es auch damals. So wird von einem Überfall im Hause des Tuchmachers Georg Hase durch einen "bösen buben" berichtet. Dieser verlangte alles wertvolle von dem armen Handwerker. Da dieser nichts besitzt schägt der "Meuchel Mörder" dem armen Manne "unterschiedene Löcher in den Kopf". Die Angehörigen, die später vom Markt kamen, konnten das Leben des Georg Hase retten, der Täter aber entkam unerkannt.

Ein Bienenschwarm ließ sich auf einer "Feuer Esse" des Rathauses nieder, was als gutes Zeichen Gottes erschien, scheinbar nicht zu Unrecht. Denn im Juli herrschte ideales, warmes Erntewetter. Eine gute Ernte wurde eingebracht " jedoch wenig gebund, jedoch an Körnern, Gott sey Danck Genug", wie Schäffer erleichtert notiert. Überhaupt war das Jahr 1700 ein gutes Erntejahr den im Herbst hängen die Bäume voll mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen. Wenig später, am 25. September, werden die Bürger durch kurfürstlichen Befehl erneut verunsichert. Sie sollen auf ein halbes Jahr mit Proviant versehen.Dazu war man wegen den Zeiten des großen Geldmangels nicht in der Lage. Schäffer schreibt von der Unmöglichkeit, da sich "mancher Hauss Vater das brodt kaum auf einen Tag anschaffen kundte, geschweige auf ein halbes Jahr." Bereits am 30. September ziehen wieder 2 Kompanien Soldaten ein. Nur das Wetter ist in diesem Jahr mild. Bis Weihnachten herrschte kein Frost und fällt kein Schnee. Trotz der schweren Zeiten gaben die Görlitzer die Hoffnung auf und lebten. So heirateten 114 Paare. 306 Knaben und Mädchen wurden getauft, darunter 2 Paar Zwillinge. Die Stadt hatte ca 6800 Bewohner.

Die vielbändige Chronik in der Skandale, Unglücksfälle und auch Klatsch nicht fehlen ist fraglos besonders für die Zeit die Schäffer selbst erlebte und reflektiert von großer historischer Bedeutung. Historie wir erst durch Histörchen begreifbar und erlebbar. Und das es so ist verdanken wir auch Christian Schäffer. Deshalb möchte ich Sie nochmals ermutigen "Jahrhundertbriefe" zu schreiben und an das Ratsarchiv zu senden. Sie, liebe Görlitzer sind die Chronisten von heute für morgen!

Siegfried Hoche

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