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Die Geschichte des Ratsarchiv und seiner Bestände

Um 1350 wurde in Görlitz ein angekauftes Privatgebäude als Rats- und Gerichtshaus eingerichtet, wo die Rats- und Gerichtsdokumente ihren Platz fanden. Aufbewahrt wurden sie zunächst im sogenannten dunklen Gewölbe. Hier lagern heute noch ca. 2000 dar ältesten und wertvollsten Urkunden. Darunter befinden sich u.a. vier der sechs Originalgründungsurkunden des Oberlausitzer Sechsstädtebundes von 1346. Im großen Archivgewölbe, dessen schöne Renaissancefassade aus dem Jahre 1534 den Rathausinnenhof ziert, (Foto Blick über den Hof) befinden sich die imposanten ,alten Stadtbücher, welche viele Regalreihen füllen. Sie künden von der wirtschaftlichen Blüte, von Ruhm und Ehre, aber auch von Not- und Kriegszeiten unserer Stadt in vergangenen Jahrhunderten. Viele von ihnen bedürfen noch der sorgfältigen wissenschaftlichen Aufarbeitung. Umsichtige engagierte Stadtschreiber zeichneten damals für das Archiv verantwortlich. So verdanken wir Männern wie Michael Günzel (1406 - 1425), Laurentius Ehrenberg (1425 - 1436), Johannes Bereit von Jüterbog (1436 - 1463), Johannes Frauenburg (1463 - 1482), Georg Vogt (1482 - 1486), Conrad Nißmann (1488 - 1492), Gregorius Glett (1498 - 1509) sowie Johannes Haß (1509 - 1544) wertvolle Informationen über längst vergangene Zeiten.

An diese frühe Blütezeit der Görlitzer und Oberlausitzer Geschichtsschreibung konnten die folgenden Jahrhunderte vorerst nicht angeknüpfen. 1901 übernahm der bisherige Vorsteher des Magistratsbüros Gerhard Müting die Neuordnung unseres Archivs, indem er Akten, Verwaltungsrechnungen und sonstige Schriftstücke sicherte und verzeichnete. Er blieb im Schatten der großen Historiker, hatte aber mit seiner akkuraten Fleißarbeit unentbehrliche Voraussetzungen für künftiges, erfolgreiches Wirken geschaffen. Professor Dr. Richard Jecht (1858 - 1945), ein ehemaliger Gymnasiallehrer, übernahm 1907 hauptamtlich das Archiv. Seinem Engagement und Können ist eine jahrzehntelange Blütezeit unseres Archivs zu verdanken. Görlitz galt damals als das Zentrum der oberlausitzischen Geschichtsschreibung. Richard Jecht veröffentlichte die hinter dicken Mauern verborgenen Schätze "seiner Institution in dickleibigen Urkundenbüchern, teils in lebendiger beschreibender Darstellung. Noch immer wartet seine "Geschichte der Stadt Görlitz" (von den Anfängen bis zum Pönfall) auf eine adäquate Fortsetzung. Die prekäre Kriegslage veranlasste Jechts Nachfolger Dr. Friedrich Pietsch, die Archivbestände 1943 in östlich der Neiße gelegene Schlösser auszulagern. Es gehört zu den großen Verdiensten des Ratsarchivars und Numismatikers Walter Haupt (1895 - 1990), dass 1961 und 1966 der größte Teil des ausgelagerten Archivgutes von Polen zurückgegeben wurde. Einige besonders wertvolle historische Archivalien vermissen wir jedoch bis heute.

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