Türme & Wehrbauten

Stadtmauer

Stadtmauer

Ausgangspunkt der Stadtentstehung etwa um 1220 ist die damalige Burg des königlich böhmischen Landesherrn, das Gebiet an der Peterskirche und des Vogtshofes. Die Hochebene bot größeren Schutz vor Angreifern und bessere Bedingungen zur Verteidigung der Stadtanlage. Nach 1250 wurde das Stadtgebiet erweitert und die wahrscheinlich hölzernen Palisaden nach und nach durch steinerne Befestigungen ersetzt.

Die Wehranlage hatte nicht nur einen übermannshohen Mauerring mit hervorragenden Mauertürmen mit Schießscharten, sondern auch eine Vormauer von geringerer Höhe. Zur besseren Verteidigung wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Verstärkungen wie Stadtgraben, Tortürme, Bastionen, Vormauer mit Zwinger und zwei außergewöhnlich starke Mauerringe geschaffen. Die Vorstädte waren durch einen separaten Mauerring geschützt. Der Raum zwischen den Mauern wurde intensiv genutzt. Er diente den Schützengesellschaften, dem Obstanbau, der Haltung von Wild, der Lagerung von Baumaterial und den Tuchmachern zum Aufstellen der Rahmen.

Im Jahre 1700 umfasste der Verteidigungsring zwanzig Basteien an der äußeren und zwölf an der inneren Mauer sowie vier Haupttürme. Nicht ohne Grund nannte und nennt man Görlitz auch "Stadt der Türme". Dieses Ausmaß an mächtigen Wehranlagen war zugleich Abschreckung und Zeugnis von Wehrhaftigkeit der Bevölkerung, die z.b. in Schützengilden den Umgang mit Waffen erlernte, um ihr Hab und Gut besser schützen zu können. Ständig wurden die Befestigungsanlagen der Kriegstechnik angepasst und sogar Soldaten zur Verteidigung der Stadt bezahlt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Wehrbauten der Modernisierung der Stadt weichen und wurden niedergerissen. Heute sind nur noch Reste vorhanden. Erhalten blieben der Abschnitt unterhalb des Vogtshofes und die Ochsenbastei an der Ostseite. Von der Höhe des Burgbergs zog sich ein einfacher Mauerring hinab, wo einst Neißetor und Neißeturm die östliche Zufahrt über die Neißebrücke sicherten. Mit Zunahme des Fuhrwerksverkehrs wurde der Turm 1836 abgerissen. 1841 wurde der Überbau des Tores und 1857 die Torpfeiler entfernt. Am östlichen Brückenkopf musste der Spittelturm mit beiden Brückentoren der neuen Stadtentwicklung weichen. Besonders sehenswert sind die Bögen und der herausragende Wachturm, auch Waighaus oder Jungfernsprung genannt, bei der Peterskirche.

Südlich des damaligen Neißetors liegt die Ochsenbastei. Sie war Bestandteil des bereits 1370 erwähnten "Tores an der Kahle" vor der Außenmauer. Heute ist sie Aufgang zu den öffentlichen Grünanlagen zwischen innerer und äußerer Stadtmauer. Von den Türmen der Außenmauer steht nur noch ein Halbturm. Zwischen Ochsenbastei und dem runden Frauenturm mit seinen dicken Mauern lagen Schießzwinger und Schießhaus. Das nicht mehr vorhandene Stein- oder Frauentor schützte dort die besonders wichtige Zufahrt von Prag und Zittau. Es wurde 1838 bis 1848 abgetragen.

Die in Kriegsnöten oft vermauerte "Pforte" an der Weberstraße wurde 1853/1854 abgerissen. Das Pfortentor war kein offizielles Stadttor sondern für den Fußgängerverkehr bestimmt um großen Umwegen zwischen den vier Haupttoren Abhilfe zu schaffen. Von den Ein- und Ausgängen der Stadt im Westen blieben nur Reste der massiven Bastion Kaisertrutz und der Reichenbacher Turm erhalten, deren ursprüngliche Gestalt im Laufe der Zeit geändert wurde.

Vom Grünen Graben führte nach Osten in Richtung Nikolaitor und Nikolaiturm der Jüdenring, welcher das Siedlungsgebiet für später vertriebene jüdische Anwohner war. Der Grüne Graben, das Gelände des Bauzwingers zwischen den Mauern, wurde frühzeitig gärtnerisch gestaltet. Die dort damals vorhandenen zahlreichen Türme und Bastionen, wie z.B. der 1641 zerschossene Pulverturm, sind nur noch auf historischen Darstellungen überliefert. Nikolaitor und Nikolaizwinger schoben sich bis zum Stadtgraben vor, über den zunächst eine Zugbrücke und später eine steinerne Brücke führte.

Für Tau- und Regenwasser führten Abflusslöcher durch Mauern in die Gräben. Das Bekannteste ist das Hundsloch in der Büttnerstraße. In der Nähe befindet sich heute das Hotel "Dreibeiniger Hund" und die Sage von jenem Geschöpf erinnert an diesen Bestandteil der Stadtmauer. Die Hotherbastei unterhalb des Vogtshofes ist die letzte noch vorhandene Eckbastion. Sie schützte die Nikolaivorstadt und Teile der Neißevorstadt

Am Nikolaizwinger, einem Teil des doppelten Stadtmauerrings, liegt das älteste Siedlungsgelände, die Nikolaivorstadt. Die vier Vorstädte besaßen eine gesonderte Stadtmauer in Fachwerkskonstruktion und Stadttore. Zu Zeiten der Belagerung war es üblich die Vororte niederzulegen. Als einzigstes blieb bis heute das Finstertor erhalten. Das Kreuztor im Westen und der Ostausgang mit dem Hother-, Kuttel- oder Wassertor sind nur noch in historischen Aufzeichnungen zu finden. Am heute begrünten Nikolaigraben, der zugleich Tal des Lunitzbachs war, verlief auch der Stadtgraben.

Die Reste der Stadtmauer sind sehenswertes Zeugnis der Görlitzer Geschichte. Sie wurden seit 1995 umfangreich saniert und restauriert. Noch heute kann man den Verlauf des Verteidigungsringes in unserem Stadtbild nachvollziehen. Die Befestigungsanlagen gehören zu den schönsten Sehenswürdigkeiten unserer Stadt.

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